Impulse und Gebet

Keine Gottesdienste, keine Treffen, keine Veranstaltungen –
Wie können wir da Gemeinde sein?

Christsein geht nicht ohne ›Communio‹ – nicht ohne Gemeinschaft mit Gott und nicht ohne Gemeinschaft mit den Menschen um mich herum. Aber auch wenn wir nun weitestgehend zuhause bleiben, können wir miteinander verbunden bleiben. Über diese Homepage, über das persönliche Gebet zuhause, über die Schriftlektüre. Wir können uns die Verbindung bewusst machen, die wir mit allen Menschen auf dieser Welt haben. Wir möchten dabei gerne behilflich sein und stellen regelmäßig ab kommenden Sonntag zu den jeweiligen Sonntagen hier einen kurzen Impuls zum Evangelium ein. Das können ein paar Gedanken sein oder ein Bild oder etwas ganz anderes. Viel Freude beim Schauen, Beten und Sich-Inspirieren-Lassen!

Ein weiteres Angebot: Sie können persönliche Gebetsanliegen an Pastor Dau (Tel. 4673916 oder Mail dau@raphael-bremen.de) übermitteln. Er wird dann in Ihrem Anliegen eine Kerze in St. Hedwig anzünden.

Weltweit sind katholische Christen tagtäglich durch eine gemeinsame Leseordnung von Schrifttexten miteinander verbunden. Egal, wo auf der Welt Menschen zusammen kommen und ihren Glauben feiern, für jeden Tag sind es überall dieselben biblischen Impulse. Die Schrifttexte zum jeweiligen Tag finden Sie hier.

Auch Autor*innen des Bistum Osnabrück haben sich Gedanken gemacht. Dieses finden Sie hier.

Impulse zum Lesen

Der diesjährige Ökumenische Gottesdienst am Pfingstmontag auf dem Gelände des Klinikums Ost musste abgesagt werden. Wie angekündigt, folgen hier Gedanken des Vorbereitungsteams rund um diesen Anlass, im Anschluss ein Gebet des Ökumeneteams des Bistums Osnabrück.

Vor 20 Jahren, am 30. Mai 2000, wurde auf dem Gelände des Klinikums Ost der „Irrstern“ der Künstlerin Marikke Heinz-Hoek zur Erinnerung an die Opfer der NS-Psychiatrie in Bremen eingeweiht. Die Erinnerung an dieses Kapitel Bremer Krankenhausgeschichte wird seit 1995 auch in einer Dauerausstellung des Krankenhausmuseums wachgehalten.

Das Wegsperren von Menschen mit psychischen Erkrankungen, in vielen Fällen mit tödlichem Ausgang, ist ein schweres Verbrechen in der NS-Zeit gewesen. Das Thema tritt in der Wahrnehmung oft neben den Verbrechen an Juden in den Hintergrund.

Aufgrund der zeitlichen Nähe des Pfingstmontags am 1. Juni zum Gedenktag am 30. Mai war der Gedanke bei der Vorbereitung des geplanten Ökumenischen Gottesdienstes, die Botschaft des Mahnmals mit einfließen zu lassen.

Ein erster Arbeitstitel entstand: „Gottes Geist aushalten“ – zunächst noch mit dem Zusatz „und einander“. Das Wegsperren oder zumindest Nicht-zur-Kenntnis-nehmen von Menschen, die „anders“ sind, ist ja kein einmaliges Geschehen der NS-Zeit. Es ist für ganz viele Menschen, auch für solche, die sich mit Selbstverständlichkeit christlich nennen, eine gängige Praxis, gründlich zu sortieren zwischen Menschen, die „normal“ und „in Ordnung“ sind und deshalb dazugehören dürfen und solchen, bei denen das nicht der Fall ist. Andersartigkeit wird schwer ausgehalten und sehr häufig bewertet.

Dem setzen biblische Texte eine klare Botschaft entgegen. Im ersten Korintherbrief (1 Kor 12,13) formuliert Paulus: „Denn wir sind durch einen Geist alle zu einem Leib getauft, wir seien Juden oder Griechen, Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt.“ Und bei der Betrachtung des Körpers heißt es etwas weiter (diesmal in der Übersetzung der `Bibel in gerechter Sprache‘): „Nein! Gerade auf die Körperteile, die unbedeutender zu sein scheinen, kommt es an. Den Körperteilen, die wir für weniger beachtenswert halten, lassen wir besondere Achtung zukommen…“

Der Geist hat Gaben im Gepäck – er kann trösten, ermutigen, stärken, heilen. Er hat aber auch Zumutungen im Gepäck – er kann korrigieren, provozieren, herausfordern, in Frage stellen. Die Menschen in meiner Umgebung mögen anders sein als ich, anders denken und handeln oder andere Fähigkeiten haben als ich. Sie sind aber nicht unbedeutender (oder umgekehrt) als ich. Sie gehören zu einem Ganzen, „zu einem Leib“, wie es Paulus formuliert.

In diesen Wochen prägen andere Themen unser Leben. Die Corona-Pandemie war über Wochen fast das einzige Thema in Nachrichten und Zeitungen und in den Gesprächen der Menschen. Vielleicht hätten wir vor diesem Hintergrund eher den Titel „Gottes Geist vertrauen“ gewählt, weil wir uns verunsichert und ratlos fühlen mit Sorgen in die Zukunft blicken.

Wenn wir uns nach danach sehnen, gestärkt und aufgerichtet zu werden, dürfen wir nicht vergessen, dass diese Sehnsucht etwas ist, was Menschen verbindet und vereint. Es ist gut und richtig, darum zu beten, dass der Heilige Geist uns stärken möge. Es ist gut und richtig, nach Zeichen der Hoffnung zu suchen und sich gegenseitig zu unterstützen. Es ist gut und richtig, am Pfingstfest an vielen Orten und in ökumenischer Verbundenheit zu beten. Es ist aber genauso gut und nicht nur richtig, sondern wichtig, sich klar zu machen, dass Gottes Geist den anderen, den „Komischen“ und „Eigenartigen“ genauso zugewandt ist.

Elisabeth Hunold-Lagies 

Das Ökumeneteam des Bistums Osnabrück hat das folgende Gebet verfasst, das die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Niedersachsen an viele Gemeinden geschickt hat in der Hoffnung, auf diesem Weg eine ökumenische Verbundenheit am Pfingstmontag zu stärken:

Gnädiger Gott,

du sendest deinen Geist aus – und du erneuerst das Antlitz der Erde.

In diesem Glauben sind wir verbunden, die wir an unterschiedlichen Orten zu dir beten.

Wir bitten dich:

Sende deinen Geist der Hoffnung, wo uns Sorgen und Ängste umtreiben.

Sende deinen Geist des Vertrauens, wo Krankheit und Tod herrschen.

Sende deinen Geist der Stärke, wo Geduld und Langmut nötig sind.

Sende deinen Geist der Weisheit, wo wir umsichtige Entscheidungen treffen müssen.

Sende deinen Geist der Achtsamkeit, wo uns Dankbarkeit und Respekt fehlen.

Sende deinen Geist der Glaubenskraft, wo wir im Zweifel stecken bleiben.

Sende deinen Geist der Gemeinschaft, wo Distanz und Einsamkeit unseren Alltag prägen.

 

Du Gott des Lebens,

wir sehnen uns nach einem kräftigen Brausen und frischer Kraft!

Segne uns mit deinen vielfältigen Gaben.

Lass uns in dieser Vielfalt gemeinsam wachsen und zur Einheit finden

Im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe.

Amen.

„Komm, Schöpfer Geist“ – diese ersten Worte aus dem bekannten Pfingsthymnus machen Wesentliches des Pfingstfestes deutlich. Wenn ich das Wort „Schöpfer“ höre, klingen sofort andere Wörter mit: Anfang, Entwicklung, Gestaltung, Kreativität, etwas Neues, das vorher noch nicht da war.

Der Heilige Geist mit seinen sieben Gaben Weisheit, Einsicht, Erkenntnis, Stärke, Rat, Gottesfurcht und Frömmigkeit sorgt immer wieder für Bewegung und Überraschung. Auf einmal verstehen sich Menschen, die ganz verschiedene Sprachen sprechen oder es setzt sich die Erkenntnis durch, dass der Glaube an Jesus kein „Exklusivrecht“ ist.

Nicht nur diese Beispiele, die auf biblische Erzählungen aus der Apostelgeschichte zurückgehen, gehören hierher. Genauso gehört in diesem Zusammenhang erwähnt, dass wir wohl alle schon einmal Momente erlebt haben, in denen uns plötzlich ein ganz neuer Gedanke kommt (ein „Blitzlicht“), der uns in einer verfahrenen Situation hilft. Oder wir sehen den ungeliebten Kollegen auf einmal in ganz neuem Licht. Oder wir trauen uns etwas zu, von dem wir vorher immer behauptet haben: das kriege ich ja doch nicht hin. Eine endlose Diskussion bekommt auf einmal eine Wendung, weil jemand eine überraschende Idee hat.

Das sind pfingstliche Erfahrungen. Menschen geraten in Bewegung, entweder in ihrem Denken oder in ihrem Tun. Das, was sie tun, bekommt neue Energie und neuen Schwung. Be-Geist-erung.

Der Geist Gottes wird auch als „Ruach“, als Hauch oder Atem, bezeichnet. Auch hier kommt durch das Wort das Lebendige zum Ausdruck. Ein bekanntes neueres Pfingstlied (im Gotteslob die Nummer 346) hat den Kehrvers:

Atme in uns, Heiliger Geist, brenne in uns, Heiliger Geist,

wirke in uns, Heiliger Geist, Atem Gottes, komm!

Uns allen wünsche ich begeisternde Momente!

Elisabeth Hunold-Lagies

„Sie verharrten einmütig im Gebet“ – So endet die heutige erste Lesung aus der Apostelgeschichte. Nachdem Jesus in den Himmel aufgefahren ist, sind die Apostel jetzt aufgerufen, den neuen Weg selbständig weiter zu gehen. Es klingt ein wenig einsam, wenn man im Bibeltext liest „Als sie in die Stadt kamen, gingen sie in das Obergemach hinauf, wo sie nun ständig blieben (…).“ Dennoch: Alle sind versammelt, in einem Raum, im Obergemach, dort beten sie. Vielleicht um neue Wege zu finden, wie sie nun die Idee Jesu weitergehen können, wo er nicht mehr bei Ihnen ist. Sie sind Männer und Frauen, sie sind zuhause, sind bei einander.

Ich finde mich in diesen Personen sehr gut wieder. Ich durfte in den vergangenen Wochen erfahren, wie schwer es ist allein zu glauben. Nicht, dass Gott auf einmal weg wäre, aber mir gelingt Glauben, Austausch und Gebet in Gemeinschaft besser. Das muss nicht einmal gleich die große Gottesdienst-Gemeinde sein. Da reicht ein Mensch, der mit mir zusammen betet, schweigt, einen Blick in die Ferne wirft.

Möglicherweise kennen Sie diese Gedanken auch? Dann können vielleicht die Impulse hilfreich sein, die Sie nun hier auf unserer Homepage für einen Gottesdienst oder eine Andacht zuhause finden. Sie sind vom Bistum Hildesheim vorbereitet und geben Einzelpersonen, kleinen Gruppen und Familien Anregungen für das einmütige Gebet zuhause.

Ihnen allen eine gesegnete Woche,

Andrea Grote

„Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?“ Wir haben diese Frage aus der Apostelgeschichte wahrscheinlich schon so oft gehört, dass sie uns kaum noch befremdet. Ausgerechnet am Fest Christi Himmelfahrt soll der Blick nicht nach oben, in den Himmel gehen?

Der ausschließliche Blick nach oben lässt die Wirklichkeit, die uns umgibt, außer Acht. Der ausschließliche Blick nach oben wäre für die Jünger gleichzeitig ein Blick zurück: „Ach, das waren noch Zeiten, als Jesus unter uns war und uns sagte, was zu tun ist.“

Das Fest Christi Himmelfahrt wird genau 40 Tage nach Ostern gefeiert. Die Zahl 40 hat in der Bibel eine besondere Bedeutung: 40 Jahre wanderte das Volk Israel durch die Wüste, 40 Tage fastete Jesus in der Wüste. Nach 40 Tagen beginnt etwas Neues. Nach der Phase, in der Jesus den Jüngern nach seiner Auferstehung erschien, in der er sie auch gedanklich darauf vorbereitete, dass sie ohne ihn zurechtkommen müssen, sind sie nun aufgefordert zu handeln und eigene Entscheidungen zu treffen. Das mögen sie als Zumutung empfinden. Es ist aber auch eine Ermutigung; dieses Handeln wird ihnen nicht nur zugemutet, sondern auch zugetraut.

Die Nachfolge Jesu bewährt sich im Alltag, im konkreten Tun, im genauen Blick auf unsere Umgebung. Der evangelische Theologe Jörg Zink hat einmal sehr klar formuliert: „Wer nicht weiß, was er beten soll, lese die Zeitung.“ Auch hier: ganz konkret, gegenwärtig, erdverbunden. Mal den Blickwinkel zu verändern, ist grundsätzlich hilfreich – nicht nur bei der Frage „oben“ oder „unten“. Unverwandt immer nur in eine Richtung zu schauen zeugt von Unbeweglichkeit im Wahrnehmen, Denken, Beurteilen und schließlich auch im Handeln.

Und wenn wir so in verschiedene Richtungen schauen, werden wir feststellen, dass es die klare Trennung von oben und unten gar nicht gibt, dass der Himmel nicht nur weit weg ist. Ein auch uns gut bekanntes Lied formuliert es so: „Wo Menschen sich vergessen, die Wege verlassen und neu beginnen, ganz neu, da berühren sich Himmel und Erde, dass Frieden werde unter uns“ (Gl 873)

Elisabeth Hunold-Lagies

An diesem Wochenende – dem 6. Ostersonntag – werden wir nach vielen Wochen zum ersten Mal wieder Gottesdienst feiern. Ein großer Teil der Fastenzeit, die Kar- und Ostertage, die ersten Ostersonntage: alles ohne „richtige“ Gottesdienste. Wir werden in den Gottesdiensten nicht das Evangelium vom Tage vorlesen, sondern das Emmausevangelium, das wir normalerweise am Ostermontag hören.

Dieses Evangelium passt deshalb gut, weil es ein „Wegetext“ ist. Die beiden Jünger gehen einen längeren Weg. Sie sind niedergeschlagen, verunsichert, verzweifelt und merken erst am Ende des Weges, wer da als Begleiter mit ihnen unterwegs war. In Bezug auf diese Gefühlslage trifft der Text wohl ganz gut unsere eigene gegenwärtige Situation.

In verschiedenen Ostererzählungen begegnen wir ähnlich verunsicherten Menschen. Ihr Alltag hat sich radikal verändert. Der Mann, mit dem sie die letzten Jahre verbracht haben, Jesus, ist nicht mehr da. Sie sind verängstigt, verriegeln ihre Türen, machen sich niedergeschlagen auf den Weg in ihr altes Dorf, versuchen sich vorsichtig an ihren Alltag als Fischer wieder heranzutasten. Nichts ist mehr wie vorher. Und dann machen sie die Erfahrung, dass dieser Jesus doch noch da ist – anders als vorher, nicht wirklich zu erkennen, aber so, dass sie sich erinnern an gemeinsam Erlebtes, an den Auftrag, den sie haben, an ihre Ressourcen. Sie erkennen, dass ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Darauf müssen sie sich einlassen, indem sie zu Veränderungen bereit sind. Sie betreten neue Lebensräume.

Und hier haben wir den Bogen zu den eigentlich vorgesehenen biblischen Texten dieses Sonntags. Gegen Ende der Osterzeit hören wir davon, wie Jesus seine Jünger darauf vorbereitet, dass sie ohne ihn auskommen müssen. Zumindest sichtbar, physisch wird er nicht mehr bei ihnen sein. Aber er verspricht in den Abschiedsreden des Johannesevangeliums (am heutigen Sonntag ist es der Abschnitt Joh 14, 15 – 21), seinen Vater um einen Beistand für die Jünger zu bitten. Er kündigt den „Geist der Wahrheit“ an; er verspricht, dass durch das Band der Liebe die Verbindung zu ihm und seinem Vater bestehen bleibt.

Der heutige musikalische Gruß ist der alte Pfingsthymnus „Komm, Heilger Geist, der Leben schafft“. In einer Strophe heißt es: „Komm Tröster, der die Herzen lenkt, du Beistand, den der Vater schenkt; aus dir strömt Leben, Licht und Glut, du gibst uns Schwachen Kraft und Mut.“

Das ist unsere Bitte: Trost, Kraft und Mut zu erfahren, sich gestärkt fühlen durch die Gottesdienstgemeinde, aber auch durch viele andere Formen des Verbundenseins und auf Gottes Begleitung zu vertrauen – auch da, wo sie nicht sofort erkannt wird.

Elisabeth Hunold-Lagies

„Gut gemacht, Mama. Ich bin toll geworden!“ So stand’s in einer Werbe-E-Mail, die auf das Angebot von Postkarten zum Muttertag hinwies. Ich musste über diese Karte etwas schmunzeln. Vielleicht müsste die Karte im Moment auch lauten: „Gut gemacht, Mamas! Ihr macht das toll!“ – gerade in dieser schweren Zeit, die mal wieder zeigt, dass insbesondere auf den Frauen eine hohe Belastung liegt. Und von den wenigsten höre ich Klagen. Die Frauen, die ich im privaten und dienstlichen Umfeld persönlich erlebe, gehen mit einem hohen Maß an Pragmatismus an die Bewältigung der Situation: Homeoffice, Dienst im Krankenhaus, Arbeiten als Reinigungskraft, Einsatz in der ambulanten Pflege, im Supermarkt, im Kindergarten, in der Telefonseelsorge und nahezu nebenbei Pflege von Angehörigen, die Betreuung der Kinder, Enkelkinder und manchmal sogar Urenkel im Kleinkind-, Schul- und Teeniealter. Nicht selten sind diese Frauen es, die das Leben der Familie zusammenhalten.

Dass sie damit einem ziemlich prominenten Beispiel alle Ehre machen ist umso schöner: Maria, die junge Frau, die keine Angst hat, den völlig verrückten Auftrag Gottes anzunehmen und seinen Sohn zur Welt zu bringen. Ich gebe zu, ich habe mit Maria immer wieder meine Schwierigkeiten. Das in der Kirche tradierte Bild einer Maria, die scheinbar naiv zu allem Ja und Amen sagt und die auf einem Sockel sitzt, den ich mich kaum zu berühren traue. Ja, damit tue ich mich schwer. Der Maria, der ich mit dem Anzünden einer Kerze in der Kirche meine Sorgen und Bitten anvertrauen kann, der fühle ich mich deutlich näher; ebenso der Maria, die so manche Konvention bricht und fast schon rebellisch den Willen Gottes auf Erden verwirklichen will. Als solche ist sie Vorbild für starke Frauen im Hier und Heute, die ihren Weg gehen und die sich ganz und gar dem Leben stellen.

Allen Müttern, Großmüttern und Urgroßmüttern einen schönen Muttertag!

Herzlich,
Andrea Grote,

hör mal
maria

ich glaube
du kennst das

ahnen und hoffen
angst und bange sein

sich trauen und doch
fragen und zweifeln

nicht wissen und doch
ja sagen

zu anfang und neubeginn
zu abschied und lassen

ich glaube
du kennst das

ob du wohl
mitgehen magst

aus: Schwarz, Andrea (2016): Eigentlich ist Maria ganz anders. Freiburg im Breisgau: Herder, S.29.

Der 4. Ostersonntag wird auch der „Sonntag des guten Hirten“ genannt. Im Evangelium lesen wir einen Abschnitt aus dem Johannesevangelium. Es geht in diesem Text um das Verhältnis des Hirten zu seinen Schafen, aber es begegnet uns noch ein weiteres der sogenannten „Ich-bin-Worte“ Jesu – Bildworte, in denen Jesus sich selbst beschreibt. Besser gesagt, in denen Jesus beschreibt, was er für die Menschen bedeuten kann. Und so lesen wir: „Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden.“

Die Tür – ein ganz konkretes Bild; für jede und jeden verständlich. Tagtäglich begegnen uns Türen; sie verschaffen uns Zutritt zu Häusern und Räumen oder schützen uns vor Kälte, Lärm oder ungebetenen Besuchern. Voraussetzung für eine offene Tür ist entweder, dass ich einen Schlüssel habe oder dass jemand mir die Tür öffnet. Beide Voraussetzungen machen aus mir einen Menschen, der – als Inhaber eines Schlüssels – berechtigt ist, hineinzugehen oder jemanden, der erwartet wird und willkommen ist. Beruhigende Vorstellungen: ich darf kommen, ich bin berechtigt zu verweilen, ich bin willkommen. Und es geht noch weiter: wenn ich hineingehe, habe ich eine Perspektive – „wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden.“ Und dann? Schnell Tür zu und sich ein-igeln im sicheren Raum?

Gewiss nicht. Ganz wichtig an diesem Bildwort ist die Weiterführung „er wird ein- und ausgehen“. Die Möglichkeit des Kommens und Gehens ist eine Voraussetzung für Freiheit. Das Positive des geschützten Raumes, der sicher verschlossen ist, ist nur gültig, wenn ich diesen Schutz suche und brauche. Der geschützte Raum kann zum Gefängnis werden, wenn ich ihn nicht aus eigenem Antrieb verlassen kann oder darf.

Eine Tür ist für uns Menschen nur dann wertvoll und richtig, wenn sie nach Bedarf offen oder geschlossen ist. Sie soll mich weder ein- noch aussperren, sie verbindet meine innere und meine äußere Welt. Als eine solche Tür bietet sich Jesus an. Das Bild lädt mich aber auch selber ein, darüber nachzudenken, wem ich in meinem Leben und durch mein Verhalten Türen öffne und verschließe.

Elisabeth Hunold-Lagies

Nun schreiben wir schon den dritten Sonntag der Osterzeit. Die Einschränkungen, die uns die Corona-Pandemie auferlegt sind immer noch da. Und auch wenn seit Beginn dieser Woche Lockerungen für einige Geschäfte gelten, bleibt vieles eingeschränkt und begrenzt. Und es wird zunehmend klarer, dass Corona nicht eine kleine Episode im Frühjahr 2020 ist, sondern uns noch eine lange Weile begleiten wird. Ich kann dieser Zeit mitunter wohl Positives abgewinnen und das schon genießen, aber die Herausforderungen bedrängen auch mich sehr. Ich habe weitaus mehr Fragen als Antworten. In mir herrscht Unruhe über das, was das Corona-Virus mit den Menschen, mit der Gesellschaft, mit der Kirche macht. Ich werde traurig, wenn ich an all die denke, die in ihrer Existenz direkt und indirekt durch das Virus bedroht sind. Ich fühle mich hilflos, wenn ich daran denke, was eigentlich alles zu tun wäre. Ich habe Angst davor, dass Menschen in meinem Umfeld schwer erkranken. Ich vermisse so viele Menschen in der nahen und weiten Umgebung, Freunde und Familie. So viele Gefühle, die in mir sind und die sich in dieser Situation ansammeln und die ich nur selten loswerde. Vielleicht kennen Sie das auch.

Wie kann es also weitergehen? Segen drauf und alles wieder gut? Wohl eher nicht. Das wäre mir zu einfach. Am Horizont blitzt ein wenig Zuversicht auf wenn ich die Texte des heutigen Sonntags anschaue. Da scheint die Liebe Gottes für den Menschen durch, der im Tod nicht im Grab belassen wird, sondern der sich auf das neue Leben freuen darf. Jesus ist auferstanden, aber nach Ostern müssen die Jünger*innen sich damit abfinden, dass er nicht mehr bei ihnen ist – sie sehen ihn zumindest nicht immer. Aber trotzdem ist er da, auferstanden für alle. Das negiert das Schwere, die Herausforderungen, die Verzweiflung, die Traurigkeit und die Angst nicht. Aber es macht sie erträglich und das ist gerade schon mal ganz gut.

Bleiben Sie behütet!

Andrea Grote

Die biblischen Texte zum Sonntag lesen Sie hier https://www.erzabtei-beuron.de/schott/schott_anz/index.html?datum=2020-04-24

 

Herr, bleib bei uns und bei allen Menschen.

Bleib bei uns, wenn es Abend wird,

wenn Trauer und enttäuschte Hoffnungen

unser Herz verdunkeln.

 

Herr, bleib bei uns und bei allen Menschen.

Bleib bei uns, wenn Fragen uns bedrängen,

wenn wir dich nicht mehr finden

im Gewirr unserer Zeit und unseres Lebens.

 

Herr, bleib bei uns und bei allen Menschen.

Bleib bei uns, wenn wir unsere Schwachheit spüren,

wenn Alter, Krankheit oder Sucht

die Möglichkeiten des Lebens begrenzen.

 

Herr, bleib bei allen Menschen,

die hungern müssen und unterdrückt sind,

denen man die Menschenwürde raubt,

die ausgeliefert sind an die Mächte der Finsternis.

 

Schenke ihnen und uns allen

den Anfang neuen Lebens!

 

Ferdinand Kerstiens

Auferstehung

Manchmal stehen wir auf

Stehen wir zur Auferstehung auf

Mitten am Tage

Mit unserem lebendigen Haar

Mit unserer atmenden Haut.

Nur das Gewohnte ist um uns.

Keine Fata Morgana von Palmen

mit weidenden Löwen

Und sanften Wölfen.

Die Weckuhren hören nicht auf zu ticken

Ihre Leuchtzeiger löschen nicht aus.

Und dennoch leicht

Und dennoch unverwundbar

Geordnet in geheimnisvoller Ordnung

Vorweggenommen in ein Haus aus Licht.

Marie Luise Kaschnitz

 

Bei Gott hat unser Leben eine Zukunft – über den Tod hinaus! Das ist die Botschaft von Ostern. Eine frohe Botschaft für uns und alle Menschen, die Bestätigung unserer Hoffnung, unserer Sehnsucht, unserer kühnsten Träume.

Auferstehung heißt Aufstand gegen alles, was Tod bedeutet, Aufstand gegen die Angst, die lähmt, gegen Unterdrückung und Ausgrenzung von Menschen.

Und dort, wo sich diese Zeichen des Lebens, der Hoffnung schon jetzt Bahn brechen und in unserem Alltag sichtbar und spürbar werden, dort wird Auferstehung zeichenhaft erfahrbar.

Wo wir in unserem Alltag Leben ermöglichen, anderen Menschen Lebendigkeit schenken, dort sind wir Botinnen und Boten dieses österlichen Lebens. Alles Gute, das wir tun oder erleben, ist bei Gott aufgehoben und hat deswegen Zukunft. Der Glaube an die Auferstehung ist keine Vertröstung auf ein Später, sondern er verändert das Jetzt.

Auferstehung kann schon hier und heute geschehen – durch mich.

Christian Adolf

Noch am Gründonnerstag haben wir vom Schöpfen aus einer Kraftquelle gehört – nun ist die Quelle versiegt.

Wir kennen Situationen, in denen die Kraft zu Ende ist, keine Perspektiven in Sicht sind, Weggefährten ausbleiben, alle Hoffnung zerschlagen ist. Wir kennen solche Situationen sowohl im persönlichen Bereich bei unheilbarer Krankheit, Trauer oder zerbrochenen Beziehungen; wir kennen sie aber auch im politischen Bereich bei Kriegen, Hungersnot, Naturkatastrophen, Flüchtlingsdramen oder Seuchen. Wo bleibt Hilfe? Und vor allem: wo ist Gott? Warum greift er nicht ein und hilft? Nicht einmal seinem eigenen Sohn? „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ ruft Jesus am Kreuz. Es ist schwer, die scheinbare Abwesenheit Gottes zu ertragen. Der Schrei Jesu am Kreuz zeigt uns einen Menschen, der nicht aufhört, nach Gott zu rufen; der Gottes Barmherzigkeit nicht still erbittet, sondern einfordert, der die Beziehung zu Gott auf keinen Fall preisgeben möchte. Noch im Tod erinnert er sich daran, dass Gott ihm Kraft, Quelle und Leben war, auch wenn seine eigene Kraft am Ende ist.

Jesus hat gelebt, geglaubt, gepredigt, geheilt, geliebt, gelitten – nun ist der Wendepunkt erreicht, nun ist allein Gott an der Reihe. Mit dem Satz „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist“ endet das Aufbäumen und Fragen. Mit diesem Satz gibt Jesus sich hin; sein Leben bekommt auch im Tod noch eine Richtung, eine Zukunft. Das ist die Botschaft des Karfreitag: die Quelle mag zeitweise versiegen, nicht mehr sichtbar sein, aber sie verschwindet nicht. Sie bleibt und wird wieder strömen.

Elisabeth Hunold-Lagies

Der Gründonnerstag ist der Tag des Beschenktwerdens. Brot und Wein wird den Jüngern, wird uns in die Hand gegeben, um daraus Mut, Hoffnung, Kraft zu schöpfen – „zu seinem Gedächtnis“.

Was bereits mit der Geburt Jesu als Glaubensherausforderung beginnt – Gott wird ein wehrloses Kind – findet hier seine Fortsetzung: Jesus Christus, der am Palmsonntag noch als König bejubelt wurde, macht sich klein, er kommt den Menschen unendlich nahe in einer sich verschenkenden Liebe, in einer dienenden Haltung. Bezeichnenderweise berichtet das Evangelium am Gründonnerstag nicht vom letzten Abendmahl (davon berichtet eine der Lesungen), sondern von der Fußwaschung, vom Sich-hinab-beugen Jesu. Es fällt Petrus schwer, diesen Dienst anzunehmen. Es passt nicht, dass der Lehrer dem Schüler, der Meister dem Jünger die Füße wäscht. Und es fällt auch nicht leicht, die eigene Bedürftigkeit und Abhängigkeit zuzugeben. Lieber behalten wir das Heft des Handelns in der Hand. In diesen Tagen erleben wir, wie schwer es zu akzeptieren ist, dass Entwicklungen völlig anders verlaufen als wir es erwarten. In diesen Tagen erleben wir auch, welche Größe in den dienenden Handlungen der Pflegenden und Helfenden liegt.

Das Geschenk dieses Tages anzunehmen, ist herausfordernd. Es ist ein großes Geschenk. Es ist wertvoll und stärkend. Und zugleich ist es ein Geschenk, das unmittelbar vor dem Abschied und der Bedrohung des Todes überreicht wird. Das ist unser Leben – ein Zustand des „dazwischen“: zwischen Stärke und Schwäche, zwischen Gestaltungsmöglichkeiten und Zerbrechlichkeit. An diesem Tag können wir Hoffnung und Kraft schöpfen, die auch den Ernst des Abschieds aushält.

Elisabeth Hunold-Lagies

Von göttlicher Gestalt war er.
Aber er hielt nicht daran fest,
Gott gleich zu sein –
so wie ein Dieb an seiner Beute.

Sondern er legte die göttliche Gestalt ab
und nahm die eines Knechtes an.
Er wurde in allem den Menschen gleich.
In jeder Hinsicht war er wie ein Mensch.

Er erniedrigte sich selbst
und war gehorsam bis in den Tod –
ja, bis in den Tod am Kreuz.

Deshalb hat Gott ihn hoch erhöht:
Er hat ihm den Namen verliehen,
der allen Namen überlegen ist.

Denn vor dem Namen von Jesus
soll sich jedes Knie beugen –
im Himmel,
auf der Erde
und unter der Erde.
Und jede Zunge soll bekennen:
»Jesus Christus ist der Herr!«

Das geschieht,
um die Herrlichkeit Gottes, des Vaters,
noch größer zu machen.

(Phil 2, 6-11, Basisbibel)

Menschen breiten ihre Kleider auf der Straße aus. Sie schneiden Zweige von den Bäumen und streuen sie auf die Straße. Sie rufen »Hosanna!« und jubeln Jesus beim Einzug in Jerusalem zu.

Diese bekannte Palmsonntagsszene ist eindrucksvoll und lässt gleichzeitig fragen: Was versprechen sich die Menschen von diesem Jesus, dass sie ihn so freudig und voller Hoffnung begrüßen?

Dieser Jesus ist einer, der sich im guten Sinne unter die Menschen mischt. Er hat keine Allüren und lässt sich auf sie ein. Er nimmt sie ernst und spürt ihre Sorgen und Ängste. Er ist sensibel für Ausgrenzungen und Erniedrigungen. Er wendet sich besonders denen zu, die am Rande der Gesellschaft stehen. Und er hat eine andere Perspektive und Vorstellung vom Leben.

Das spüren die Menschen zu damaliger Zeit: Da ist jemand, der Hoffnung und Heil stiftet!

Die heutige Lesung macht deutlich, dass Jesus ein ganz anderer König ist. Eigentlich braucht und will er gar keinen roten Teppich oder eine königliche Verkleidung. Ihm geht es nicht um Privilegien und den schönen Schein.

Jesus wird stattdessen Mensch, denen gleich, die ihn brauchen. In der Lesung ist von ›Sklave‹ und ›Erniedrigung‹ die Rede; Begriffe, die so gar nicht königlich daherkommen. Jesus wird Mensch und erlebt alle Tiefen und Abgründe des menschlichen Lebens. Ihm geht es nicht um Macht, Anerkennung oder Ruhm. Ohne jegliche Vorbehalte widmet er sich aus Liebe den Menschen. Er ist zutiefst solidarisch mit ihnen, auch wenn ihn dieser Weg an das Kreuz führt.

Christian Adolf

Voll das wilde Leben…

Betende Hände in schwarz-weiß, daneben das Zitat aus dem Johannesevangelium „Ich bin die Auferstehung und das Leben- wer an mich glaubt, wird leben.“ – ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich eine solche Todesanzeige in unserer Tageszeitung zuhause gelesen habe. Und bestimmt genauso häufig habe ich mich gefragt, ob das so muss. Heute mindestens 20 bis 25 Jahre später bin ich glücklicherweise etwas gereift und schaue mit einem anderen Blick auf das Zitat.

„Ich bin die Auferstehung und das Leben – wer an mich glaubt wird leben“, so steht’s geschrieben im Evangelium vom 5. Fastensonntag. Und rundherum spinnt sich die Geschichte von der Auferweckung des Lazarus. Und was total technisch klingt ist in der Perikope ein Chaos von Emotionen – Liebe, Leid, Leben und Tod, alles ist enthalten. Trauer um den Verstorbenen, der Freund Jesu und Bruder Marias war, der geliebt wurde, vermisst wird, vom Moment seines Todes an fehlt. Da gibt es die Jünger, die noch nicht verstanden haben, dass Lazarus nicht einfach krank ist, sondern stirbt. Da ist Marta, die fast den Eindruck erweckt, als wäre sie sauer, dass Jesus erst so spät kommt. Zu spät ihrem Empfinden nach, denn Lazarus ist bereits gestorben. Von Heilung kann also niemand mehr ausgehen. Und von Jesus, von dem wir in den biblischen Geschichten selten seine Gefühle mitgeteilt gekommen, erfahren wir, dass er erschüttert und innerlich erregt ist und das gleich zwei Mal. Am Ende der Geschichte herrscht dann große Freude über den Auferweckten. Die, die das sahen, waren überzeugt. Dieser Jesus, der ist wer. Der ist der Messias, der Retter, der Gesandte.

Zurück zur Todesanzeige: Heute ahne ich, dass Menschen, die dieses Zitat für die Todesanzeige ihrer Lieben ausgewählt haben, etwas von diesem Emotionschaos kennen. Sie haben das Leben des verstorbenen Menschen vielleicht vor Augen, dass vielmals voll war von Freude, Leid, Glück, Chaos, Traurigkeit, Sehnsucht, Leidenschaft… Und vermutlich haben sehr viele der Trauernden den Wunsch, die Sehnsucht und den festen Glauben, den lieben Menschen irgendwann einmal wieder zu sehen. Und dann drückt die Zusage Jesu doch ganz gut aus, was war, was ist und was sein wird. Und das hat dann auf einer Traueranzeige einen wirklich guten Platz.

Andrea Grote

  1. März 2020

Ein laaaanges Evangelium, dass heute in der Leseordnung vorgesehen ist und eines, das es lohnt, in dieser Länge gelesen zu werden.

Wir lesen und erfahren von der Heilung eines Blinden – nichts Neues eigentlich, wenn man auf die vielen anderen Heilungsgeschichten der Bibel schaut. Und doch ist es etwas anders: da wird ein Mensch sehend. Und das, wenn man der Geschichte folgt, nicht nur rein physisch, sondern er gewinnt so etwas wie eine Herzenssicht. Denn am Ende der Erzählung sieht er Jesus als DEN Menschen-Sohn. Als das Licht der Welt, als der, der von Gott kommt, der ihm, dem ehemals Blinden Sicht verleiht. Er sieht und erkennt.

Kennen Sie das auch? Dass Sie Stück für Stück ein bisschen mehr erkennen, dass es da wirklich diesen Gott gibt, der für Sie da ist? Vielleicht hilft Ihnen diese Erkenntnis in diesen ver-rückten Tagen mehr denn je.

Propst Wichmann aus Oberhausen hat zu einer beeindruckenden Aktion aufgerufen. Er forderte die Christ*innen seiner Gemeinde auf, jeden Abend um 19.00 Uhr eine Kerze zu entzünden, sie sichtbar in ein Fenster zu stellen und dann ein Vater unser zu sprechen – in ökumenischer Verbundenheit. Jede*r Beter*in wird damit zu einem Lichtzeugen – für den Menschen-Sohn, für Hoffnung, Solidarität und Liebe. Ich finde, das ist eine tolle Aktion und mache gerne mit! Eine Kerze, die für mich Christus als das Licht der Welt symbolisiert, der uns gerade jetzt nicht verlässt. Eine Kerze, die mir gerade jetzt zeigt: Ich bin nicht allein und mit vielen Menschen verbunden. Ich hoffe, diese Erkenntnis bleibt.

Andrea Grote

Gott,
du bist der Gott unseres Lebens.
Auf dich setzen wir unsere Hoffnung
in diesen Tagen der Krise.
Wir dürfen darauf vertrauen:
Du bist da!

Du siehst uns
mit unseren Sorgen und Fragen,
mit unseren Stärken und Hoffnungen.

Wir bitten dich:
Leite und begleite uns.
Stehe den kranken und schwachen Menschen bei.
Stärke und ermutige die Menschen,
die gerade für uns sorgen:
Menschen, die Verantwortung tragen,
Menschen, die sich um Kranke und Hilfsbedürftige kümmern,
Menschen, die ihre Zeit solidarisch für andere einsetzen.
Lass uns als deine Gemeinschaft
solidarisch miteinander verbunden bleiben.
Schenke uns Mut und Phantasie,
in diesen Tagen neue Formen des Miteinanders zu entdecken.

Segne uns,
du Gott des Lebens.

Amen.

Impulse als Ton- oder Videodokument

Die musikalische Bitte um den Heiligen Geist haben Katharina Gaster Irrazabal (Altflöte) und Wolfgang Prevot (Orgel) eingespielt.

Mit dem Allegretto C-Dur für Flötenuhr von Ludwig van Beethoven sendet der Organist Ulrich Matyl einen musikalischen Gruß aus St. Hedwig. Die Musik passt mit ihrer heiteren Gelassenheit zur Osterzeit, zum Frühling und zum Muttertag. Und sie kann uns Zuversicht und Geduld für die nächsten Wochen schenken. Die Fotos von W. Habel u.a. hat Wolfgang Prevot zusammengestellt.

Zum Sonntag des Guten Hirten hören Sie „Mein Hirt ist Gott der Herr“, eingespielt von Katharina Gaster Irrazabal, Altflöte, und Wolfgang Prevot, Orgel.

Der Choral wird gespielt von Christian Jaschke, Trompete, und Wolfgang Prevot, Orgel

»Singt dem König Freudenpsalmen« – mit den Klängen dieses Prozessionsliedes möchten wir Sie einladen, mit dem Palmsonntag den Weg auf das Osterfest mit uns zu gehen.