Impulse und Gebet

Keine Gottesdienste, keine Treffen, keine Veranstaltungen –
Wie können wir da Gemeinde sein?

Christsein geht nicht ohne ›Communio‹ – nicht ohne Gemeinschaft mit Gott und nicht ohne Gemeinschaft mit den Menschen um mich herum. Aber auch wenn wir nun weitestgehend zuhause bleiben, können wir miteinander verbunden bleiben. Über diese Homepage, über das persönliche Gebet zuhause, über die Schriftlektüre. Wir können uns die Verbindung bewusst machen, die wir mit allen Menschen auf dieser Welt haben. Wir möchten dabei gerne behilflich sein und stellen regelmäßig ab kommenden Sonntag zu den jeweiligen Sonntagen hier einen kurzen Impuls zum Evangelium ein. Das können ein paar Gedanken sein oder ein Bild oder etwas ganz anderes. Viel Freude beim Schauen, Beten und Sich-Inspirieren-Lassen!

Weltweit sind katholische Christen tagtäglich durch eine gemeinsame Leseordnung von Schrifttexten miteinander verbunden. Egal, wo auf der Welt Menschen zusammen kommen und ihren Glauben feiern, für jeden Tag sind es überall dieselben biblischen Impulse. Die Schrifttexte zum jeweiligen Tag finden Sie hier.

Auch Autor*innen des Bistum Osnabrück haben sich Gedanken gemacht. Dieses finden Sie hier.

Voll das wilde Leben…

Betende Hände in schwarz-weiß, daneben das Zitat aus dem Johannesevangelium „Ich bin die Auferstehung und das Leben- wer an mich glaubt, wird leben.“ – ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich eine solche Todesanzeige in unserer Tageszeitung zuhause gelesen habe. Und bestimmt genauso häufig habe ich mich gefragt, ob das so muss. Heute mindestens 20 bis 25 Jahre später bin ich glücklicherweise etwas gereift und schaue mit einem anderen Blick auf das Zitat.

„Ich bin die Auferstehung und das Leben – wer an mich glaubt wird leben“, so steht’s geschrieben im Evangelium vom 5. Fastensonntag. Und rundherum spinnt sich die Geschichte von der Auferweckung des Lazarus. Und was total technisch klingt ist in der Perikope ein Chaos von Emotionen – Liebe, Leid, Leben und Tod, alles ist enthalten. Trauer um den Verstorbenen, der Freund Jesu und Bruder Marias war, der geliebt wurde, vermisst wird, vom Moment seines Todes an fehlt. Da gibt es die Jünger, die noch nicht verstanden haben, dass Lazarus nicht einfach krank ist, sondern stirbt. Da ist Marta, die fast den Eindruck erweckt, als wäre sie sauer, dass Jesus erst so spät kommt. Zu spät ihrem Empfinden nach, denn Lazarus ist bereits gestorben. Von Heilung kann also niemand mehr ausgehen. Und von Jesus, von dem wir in den biblischen Geschichten selten seine Gefühle mitgeteilt gekommen, erfahren wir, dass er erschüttert und innerlich erregt ist und das gleich zwei Mal. Am Ende der Geschichte herrscht dann große Freude über den Auferweckten. Die, die das sahen, waren überzeugt. Dieser Jesus, der ist wer. Der ist der Messias, der Retter, der Gesandte.

Zurück zur Todesanzeige: Heute ahne ich, dass Menschen, die dieses Zitat für die Todesanzeige ihrer Lieben ausgewählt haben, etwas von diesem Emotionschaos kennen. Sie haben das Leben des verstorbenen Menschen vielleicht vor Augen, dass vielmals voll war von Freude, Leid, Glück, Chaos, Traurigkeit, Sehnsucht, Leidenschaft… Und vermutlich haben sehr viele der Trauernden den Wunsch, die Sehnsucht und den festen Glauben, den lieben Menschen irgendwann einmal wieder zu sehen. Und dann drückt die Zusage Jesu doch ganz gut aus, was war, was ist und was sein wird. Und das hat dann auf einer Traueranzeige einen wirklich guten Platz.

Andrea Grote

  1. März 2020

Ein laaaanges Evangelium, dass heute in der Leseordnung vorgesehen ist und eines, das es lohnt, in dieser Länge gelesen zu werden.

Wir lesen und erfahren von der Heilung eines Blinden – nichts Neues eigentlich, wenn man auf die vielen anderen Heilungsgeschichten der Bibel schaut. Und doch ist es etwas anders: da wird ein Mensch sehend. Und das, wenn man der Geschichte folgt, nicht nur rein physisch, sondern er gewinnt so etwas wie eine Herzenssicht. Denn am Ende der Erzählung sieht er Jesus als DEN Menschen-Sohn. Als das Licht der Welt, als der, der von Gott kommt, der ihm, dem ehemals Blinden Sicht verleiht. Er sieht und erkennt.

Kennen Sie das auch? Dass Sie Stück für Stück ein bisschen mehr erkennen, dass es da wirklich diesen Gott gibt, der für Sie da ist? Vielleicht hilft Ihnen diese Erkenntnis in diesen ver-rückten Tagen mehr denn je.

Propst Wichmann aus Oberhausen hat zu einer beeindruckenden Aktion aufgerufen. Er forderte die Christ*innen seiner Gemeinde auf, jeden Abend um 19.00 Uhr eine Kerze zu entzünden, sie sichtbar in ein Fenster zu stellen und dann ein Vater unser zu sprechen – in ökumenischer Verbundenheit. Jede*r Beter*in wird damit zu einem Lichtzeugen – für den Menschen-Sohn, für Hoffnung, Solidarität und Liebe. Ich finde, das ist eine tolle Aktion und mache gerne mit! Eine Kerze, die für mich Christus als das Licht der Welt symbolisiert, der uns gerade jetzt nicht verlässt. Eine Kerze, die mir gerade jetzt zeigt: Ich bin nicht allein und mit vielen Menschen verbunden. Ich hoffe, diese Erkenntnis bleibt.

Andrea Grote

Gott,
du bist der Gott unseres Lebens.
Auf dich setzen wir unsere Hoffnung
in diesen Tagen der Krise.
Wir dürfen darauf vertrauen:
Du bist da!

Du siehst uns
mit unseren Sorgen und Fragen,
mit unseren Stärken und Hoffnungen.

Wir bitten dich:
Leite und begleite uns.
Stehe den kranken und schwachen Menschen bei.
Stärke und ermutige die Menschen,
die gerade für uns sorgen:
Menschen, die Verantwortung tragen,
Menschen, die sich um Kranke und Hilfsbedürftige kümmern,
Menschen, die ihre Zeit solidarisch für andere einsetzen.
Lass uns als deine Gemeinschaft
solidarisch miteinander verbunden bleiben.
Schenke uns Mut und Phantasie,
in diesen Tagen neue Formen des Miteinanders zu entdecken.

Segne uns,
du Gott des Lebens.

Amen.