Berichte

„Damit sie zu Atem kommen!“
Dienstag, 01. September 2015

„Halt an, wo läufst du hin?" Dieses Zitat von Angelus Silesius ist heute noch aktuell wie damals. Wir werden ermutigt, den Alltagsablauf zu unterbrechen, Pausen und Atempausen einzulegen, um so gestärkt uns und unsere Ziele klarer zu sehen. Ein Nachdenken in zwei Richtungen tut dabei gut.

1) Der Blick auf die persönliche Lebensgestaltung.

In einer Arbeitswelt, in der es oft nach Leistung und Effizienz geht, sehnen sich viele Menschen nach der Erfahrung, persönlich angenommen zu sein, etwas zu gelten, sein zu dürfen, wie man ist, zu leben und sein Leben zu spüren. Es mag der Eindruck entstehen, dass im Rahmen dieser Wünsche und Sehnsüchte geistliches Leben kaum Bedeutung hat. Für uns aber steht fest: Geistliches Leben ist kein Sonderbereich menschlichen Leben. Alles menschliche Leben beginnt damit, dass Gott wie dem Adam am Beginn der Menschheit auch uns „den Atem einbläst" und wir so zum Leben kommen (können). Die Frage bleibt: Wo mache ich in meinem Leben Erfahrungen, die zu geistlichen Erfahrungen werden? Wo habe ich Zeit, Gelegenheit und Raum, mein Leben zu bedenken und seine geistliche Dimension zu erschließen? Menschen brauchen, um zu Atem zu kommen, regelmäßig Räume und Zeiten um sich zurück zu ziehen, sich zu besinnen und zu beten. Wie steht es bei mir mit solchen Atempausen?

2) Die Frage nach Unterstützung und Anregungen über diese persönliche Gestaltung hinaus

Gottesdienste

Hier sind an erster Stelle unsere Gottesdienste zu nennen. Ob eine Wortgottesfeier, eine Werktagsmesse oder die sonntägliche Eucharistiefeier: Jeder Gottesdienst bietet Chance und Möglichkeit, zu Atem zu kommen, Kraft für den Alltag zu sammeln und die enge Verbindung zwischen Gott und meinem Leben immer wieder neu zu erspüren, denn in Gottesdiensten erleben wie vieles, was sich vom Alltag deutlich unterscheidet:
• Wir lassen uns auf Stille ein, und das in großer Runde. Das ist etwas anderes als alleine still zu sein.
• Wir lassen uns auf Stille ein, um zu Hörenden zu werden. Wir hören in den biblischen Texten Lebenserfahrungen früherer Menschen, ohne gleich zu unterbrechen, bei mir war das aber so und so.
• Wir reichen Menschen vor, hinter oder neben uns die Hand, auch wenn wir sie nicht kennen.
• Wir werden zu Geschwistern, zu Gleichberechtigten, zu Menschen, die gemeinsam zu einem Vater sprechen und sich in großer Runde zur Mahlgemeinschaft versammeln. Ob ich im Beruf erfolgreich bin oder nicht, ob ich alt oder jung, stark oder schwach bin: Ich gehöre dazu.
• Wir tun gemeinsam etwas, was für viele inzwischen nicht mehr alltäglich ist: Wir singen, wir setzen unserem Atem und unsere Stimme so ein, wie sie ist: Ohne Mikrofon, ohne ein Wegretuschieren von Nebengeräuschen oder falschen Tönen, ohne uns Stimmgruppen zu sortieren und ohne dem Nachbarn zu sagen, ich kann das aber besser als du.
• Wir erleben Musik unmittelbar. Und wir erleben Musik, die von Gemeindemitgliedern in Chören oder von den Organisten oder anderen Instrumentalisten vorbereitet wird, um Gehörtes musikalisch zu vertiefen. Was für ein Spektrum an Ausdrucksmöglichkeiten!

Exerzitien im Alltag

In der Fastenzeit gibt es ökumenische „Exerzitien im Alltag". Sowohl in St.Godehard als auch in St.Thomas treffen sich Menschen wöchentlich zum Gespräch, zur Besinnung, zum Gebet. Nähere Informationen stehen rechtzeitig im Pfarrbrief.

Bibelgespräch

Regelmäßig am jedem zweiten Dienstag im Monat kommen von 19 bis 20 Uhr in St.Godehard Menschen zum Bebelgespräch zusammen. Eine wertvolle Möglichkeit innezuhalten, Bibeltexte besser zu verstehen und Impulse für den Alltag zu erhalten.

Glaubenstag für Senioren

Für die Senioren von St.Raphael gestalten wir Ende Januar / Anfang Februar einen Glaubenstag. Wir schließen uns damit dem bistumsweiten Glaubenstag für die ältere Generation ein, der immer am 2.Februar gefeiert wird. Auch hier finden sie die genaue Einladung rechtzeitig in unserem Pfarrbrief.

Besinnungstag der Frauen

Im Advent laden wir die Frauen unserer Gemeinde zu einem Besinnungsabend und anschließendem gemeinsamen Abendessen nach St.Antonius ein. Jedes Jahr steht er unter einem anderen Leitwort. Die weiteren Informationen werden rechtzeitig in unserem Pfarrbrief veröffentlicht

„Damit sie zu Atem kommen" ist das Leitwort unseres Bistums für den Zeitraum von September 2015 bis September 2016. Zwölf Textstellen aus dem biblischen Buch „Exodus" begleiten diese Zeit Monat für Monat. Die dabei gemachten Erfahrungen werden in die Versammlung der diözesanen Räte („Zukunftsgespräch) im September 2016 eingebracht. Aktuelle Hinweise dazu finden Sie auf der Homepage unseres Bistums (www.bistum-osnabrück.de)