Berichte

Triduum
Donnerstag, 02. April 2015
„Gottes zuvorkommende Liebe" ist das Wort, das dieses Jahr über der „Feier der heiligen drei Tage" (Triduum) stand. Dieses Jahr versuchten wir nämlich, die Betrachtungen am Gründonnerstag, am Karfreitag und zu Ostern aus der Sicht Jesu zu gestalten. Wir wollten uns also einmal nicht fragen: Was hat das mit mir zu tun? Was bedeutet das für mich? Sondern wir wollen uns einmal fragen: Was mag ihn dabei innerlich berührt und bewegt haben?

 

Gründonnerstag

 

Meditation

Was sind wir einen langen Weg miteinander gegangen!
Jetzt sitzen wir heute abend hier noch einmal zusammen.
Ein paar letzte Stunden. Mehr nicht .
Ob sie es ahnen?
Ja, wir sind einen langen Weg miteinander gegangen:
Was haben sie dabei mit mir nicht alles erlebt und gehört und gesehen!
Was ist ihnen dabei wohl alles durch den Kopf gegangen?
Warum sind sie mit mir gegangen?
Was fasziniert sie an mir?
Dass wir wie Könige in diese Stadt eingezogen sind?
Dass sie meinen, bei Gott gute Plätze zu bekommen?
Dass sie glauben, Gott jetzt verstanden zu haben?
Ich fürchte, sie haben so wenig verstanden!
Denn was ich jetzt tue, verstehen sie das?

- angedeutete Fußwaschung -

Am Ende unseres langen Weges wasche ich ihnen die Füße.
Sie sollen in die neue Zeit ohne den Staub des Vergangenen gehen.
Ohne Schmutz an den Füßen und Dreck an den Händen.
Ich gieße reines Wasser über sie.
Lebendiges Wasser.
Wenn sie bloß dieses Zeichen verstehen!
Wenn sie bloß begreifen, daß Gott ihnen die Füße wäscht!
Wenn sie bloß verstehen, dass sie von Gott nie „genug" bekommen!
Ja, ich mache mir Sorgen: Was wird bloß aus ihnen werden?
Ob sie einen neuen Weg beginnen?
Ob sie ihn dann auch erneut mit mir gehen werden?

Sie brauchen ein Zeichen, an dem sie sich festhalten können!
Und ich selber wünsche mir ja auch so sehnlich, bei ihnen zu bleiben!
Spürbar. Erfahrbar. Sichtbar. Mit Händen zu greifen.
Mitten unter ihnen.

 

Evangelium (aus Mk 14,17ff und 1 Kor 11,23ff)

Als es Abend wurde, kam Jesus mit den Zwölf. Während des Mahls nahm er das Brot und sprach den Lobpreis. Dann brach er das Brot, reichte es ihnen und sagte: Nehmt, das ist mein Leib für euch. Dann nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet, reichte ihn den Jüngern, und sie tranken alle daraus. Und er sagte zu ihnen: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis! Denn sooft ihr von diesem Brot eßt und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.

 

Meditation

Da sitzen wir nun noch einmal beisammen, und ich schaue ihnen in ihre Gesichter.
Wirklich: Was sind wir einen langen Weg miteinander gegangen!
Von Galiläa bis Jerusalem.
Vom anfänglichem Interesse zu Begeisterung.
Von Erstaunen zu erstem Verstehen.
Wenn ich in bestimmte Gesichter schaue, allerdings auch von Glauben zu Ablehnung.
Und jetzt sitzen wir hier, und sie ahnen nicht, dass jetzt ein noch längerer Weg vor ihnen liegt!
Vom Schülersein zum eigenständigen Lehren.
Vom gemeinsamen Glauben zum persönlichen Zeugnis.
Vom Getragensein durch große Teile des Volkes zum Bekennen in Minderheit und auch bei Verfolgung.

Welches Zeichen kann ich ihnen jetzt bloß noch geben?
Ich bin mir sicher: Dass ich ihnen die Füße gewaschen habe, wird nicht ausreichen.
Petrus wollte sich von mir ja auch gleich noch den Kopf waschen lassen; keine schlechte Idee, das hat er mitunter auch nötig!
Aber verstehen sie die Fußwaschung?
Spüren sie ihren Auftrag?
Vertrauen sie, dass genau das die Weise ist, wie ich bei ihnen bleibe?
Ich bin mir ja noch nicht einmal sicher, ob sie das Zeichen der Paschafeier verstehen, obwohl wir dazu jetzt hier beisammen sind.
Das Paschamahl will schließlich nicht bloß des Vergangenen gedenken.
Es soll doch heute und jetzt geschehen!
Ob sie heraushören, dass es nicht um Israel, sondern um meinen Vater geht, der endlich aufbrechen will? Gerade auch mit ihnen?
Und vertrauen sie, dass sie mit meinem Vater aufbrechen können und aufbrechen dürfen? Gerade auch heute?
Was wird in ihnen aufbrechen?
Was wird durch sie aufbrechen?

Ob ihnen das alles heute Abend durch den Kopf geht?
Ich befürchte: Nein!
Das Paschamahl ist zu selten, nur einmal im Jahr.
Sie brauchen ein neues Zeichen!
Eines, an dem sie sich Tag für Tag festhalten können!
Spürbar. Erfahrbar. Sichtbar. Mit Händen zu greifen.
Eines, das so alltäglich ist wie Brot!
Eines, das auch so alltäglich nötig ist wie Brot!
Warum also nehme ich denn nicht: Brot!?
Und gebe es ihnen!
Aber erst, wenn ich es geteilt habe!
Sie sollen Sättigung erfahren, aber hungrig bleiben!
Und sie sollen sehen, dass es nicht nur für sie ist!
Und dann werde ich auch Wein nehmen!
Sie haben schließlich Grund zur Freude, wenn sie beisammen sein werden!
Es ist schließlich ein Fest, wenn ich mitten unter ihnen da bin!
Bei allem Alltag und Dienst müssen sie auch das immer wieder erfahren!
Ja, diese neuen Zeichen will ich ihnen heute geben!
Und durch sie erfüllt sich dann auch mein eigener sehnlicher Wunsch von ganz allein, nämlich bei ihnen bleiben zu können, ganz und gar, mit Leib und Seele!
Ja, Brot und Wein: Das ist mein Leib! Und das ist mein Blut!
Und wenn sie erst einmal meine neuen Zeichen feiern, dann können sie gar nicht mehr anders als auch zu erfahren:
Sie selber sind mein „Leib".
Sie selber sind meine sichtbare Gestalt!
Und sie selber sind auch mein „Blut".
Denn von mir stammen sie ab, besiegelt mit meinem Geist!
Ja, das sind die zukünftigen Zeichen, und mit ihnen wird es gelingen:
Ich bleibe auf ihrem Weg!
Sie werden nie mehr hungern!
Sie werden nie mehr dürsten!
Sie können ihren langen Weg in die Zukunft gehen!
Mein Vater kann mit ihnen aufbrechen!
Tag für Tag.

 

Karfreitag

 

Meditation

Kann dieser Kelch an mir vorübergehen?
Kann dieser Tag in Frieden zu Ende gehen?
Kann dieser Weg zum Heil führen?
Kann das alles der Gott, den ich „mein Vater" nenne, wollen?
Kann sein Erlösungsplan nicht auch ohne Tod geschehen?

„Du fragst mich, ob ich das gewollt habe?
Ob ich dir den Kelch mit Leid randvoll einschenken wollte?
Wo ich doch immer das Heil will?!
Wo ich doch eine gute Schöpfung erstehen ließ?!
Wo mein Wesen die Liebe ist?!
Ich selbst bin erschüttert über die Uneinsichtigkeit der Menschen!
Ich selbst bin erschrocken, welchen Strick sie dir drehen.
Ich selbst leide mit dir. In dir.
Ich selbst sterbe mit dir.
Es tut mir selbst weh, und ich weine.
Ja, meine Leidenschaft für sie schafft mir Leiden!
Am Ende dieses Tages erlebe auch ich Leere.
Mit dem heutigen Tag wird ein Riss durch den Vorhang gehen.
Kein Riss zwischen mir und den Menschen - nein, das nicht.
Aber ein Riss durch alles, was sie von mir nie sehen wollten.
Ein Riss durch alles, was sie sich aufgebaut haben, um mir nicht ins Gesicht schauen zu müssen.
Nicht, dass ich ihnen nicht nahe kommen wollte!
Nein, sie wollten mich nicht zu nahe an sich herankommen lassen
Aber jetzt komme ich ihnen nahe!
Ich komme ihnen so nahe, wie sie es gar nicht für möglich halten.
Wie sie es vielleicht auch gar nicht wollen.
Ich komme ihnen so nahe, wie es allein der Tod kann.
Sie haben mich dazu gebracht, diesem Zeichen nicht auszuweichen.
Sie haben (vielleicht unbewußt) mit tödlicher Konsequenz darauf hingearbeitet.
Und heute werden sie ungeschützt und erschrocken erkennen, wie ich bin:
Kein Tod wird mich von der Sorge für ihr Heil abbringen.
Kein Tod kann meine Liebe für sie erschüttern.
Ja, ich weiß, und das ist meine Hoffnung und meine Zuversicht:
Dein Tod wird sie erst dann wirklich glücklich machen, wenn sie das glauben!"

 

Ostern

 

Evangelium (Mk 16,1-8 erweitert)

Als der Sabbat vorüber war, kauften Maria aus Magdala, Maria, die Mutter des Jakobus und Salome wohlriechende Öle, um damit zum Grab zu gehen und Jesus zu salben. Am ersten Tag der Woche kamen sie in aller Frühe zum Grab als eben die Sonne aufging. Sie sagten zueinander: Wer könnte uns den Stein vom Eingang des Grabes wegwälzen? Doch als die hinblickten, sahen sie, dass der Stein schon weggewälzt war; er war sehr groß. Sie gingen in das Grab hinein und sahen auf der rechten Seite einen jungen Man sitzen, der mit einem weißen Gewand bekleidet war; da erschraken sie sehr. Er aber sagte zu ihnen: Erschreckt nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden; er ist nicht hier. Seht, da ist die Stelle, wo man ihn hingelegt hatte. Nun aber geht und sagt seinen Jüngern, vor allem Petrus: Er geht euch voraus nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er es euch gesagt hat. Da verließen sie das Grab und flohen, denn Schrecken und Entsetzen hatte sie gepackt. Und sie sagten niemand etwas davon, denn sie hatten große Angst.

 

Meditation

Was macht ihnen bloß solche Angst, dass ich lebe?
Sie haben vor mir doch nie Angst gehabt!
Sie haben mich geachtet.
Sie haben mich geliebt.
Sie haben mir an den Lippen gehangen.
Sie waren wohl immer wieder betroffen und bestürzt über meine Lehre.
Aber Angst? Die hatten sie vor mir nie!
Jetzt in den letzten Tagen, gut, da hatten sie Angst. Aber das war keine Angst vor mir, sondern vor dem, was in Jerusalem auf uns zukommen könnte.
Ja, und dann bei meiner Verhaftung und den Verhören und unter dem Kreuz: Da hatten sie Angst. Das verstehe ich.
Aber jetzt? Was ängstigt sie bloß jetzt?
Dass sie ein solcher Schrecken und ein solches Entsetzen packt.
Dass sie sich verbarrikadieren und verschließen.
Dass der Thomas sich nicht mehr mit ihnen treffen will!
Dass der Kleopas überlegt, nach Emmaus zurückzugehen!
Ich lebe doch!

Wie komme ich bloß noch an sie heran?
Wie erreiche ich ihren Verstand?
Ihr Herz?
Ihren Glauben?
Früher konnte ich ihre Hoffnungen berühren!
Da konnte ich ihre Sehnsucht wecken!
Da waren sie wirklich begeistert!
Und jetzt, wo sie doch sehen können, dass ihre Begeisterung zu Recht bestand und ihre Hoffnungen kein Traum bleiben müssen: Genau da zeigen sie Angst!
Ob sie letztlich Angst haben vor ihrer eigenen Sehnsucht?
Sie wollen doch wirklich leben, und haben doch Angst vor dem Leben, das sie sich immer erhofft haben!
Lieber geben sie ihre Sehnsucht auf!
Lieber verlieren sie ihre Begeisterung!
Lieber verschließen sie sich.
Verrammeln die Türen.
Lassen mich nicht an sie heran.
Das darf nicht wahr sein!
Das dürfen sie nicht tun.
Nicht nach all dem, was war!
Das lasse ich um Gottes willen nicht zu!
Seine Leidenschaft um ihr Heil ist zu kostbar!
Dafür hat er schon zu viel investiert!
Was sollte er denn jetzt noch tun?
Und das lasse ich auch um ihretwillen nicht zu!
Auch sie sind mir zu kostbar!
Ich bin schon einen viel zu langen Weg mit ihnen gegangen, als dass ich sie sich jetzt ihren Ängsten überlassen werde!

Ich werde darum nicht nachlassen, ihre Hoffnungen zu berühren und ihre Sehnsucht zu wecken!
Ich lasse nicht nach, sie mit Be-geist-erung zu erfüllen!
Ich werde mich ihnen eben immer und immer wieder als der Lebende und der Lebendige erweisen!
Ich sorge dafür, daß sie mir begegnen!
Sie können mir nicht ewig ausweichen!
Ich werde ihnen in Galiläa Tag für Tag begegnen.
Genau dort also wo sie leben und sich ihr Alltag abspielt und ihr ganz normales Leben.
Sie können mich dann gerne für den Gärtner halten: Ich pflege nur zu gerne jede zarte Wurzel!
Sie können mir dann aus Ratlosigkeit gerne Brot und Fisch vorsetzen: Mir ist kein Angebot zu gering!
Sie können dann gerne viele Stadien irgendwo hin gehen: Ich hole sie schon ein und öffne ihnen die Augen für das, was sie durch mich erlebt haben!
Sie können (so schmerzhaft das für mich auch ist!) ihre Finger in meine Wunden legen: Ich werde dankbar sein, dass sie mich berühren wollen!
Sie sollen sicher sein: Ich werde mich ihnen immer und immer wieder als der Lebende und der Lebendige erweisen!
Nur dieses eine erspare ich ihnen nicht: Sie müssen sich ihren Ängsten stellen.
Sie müssen sich mir schon selber öffnen.
Ich will zwar durch verschlossene Türen kommen, aber verschlossene Herzen werde ich respektieren.
Sie müssen schon sagen: „Mein Herr und mein Gott!", aber ich werde dafür sorgen, dass sie das nicht als Niederlage oder Demütigung empfinden, sondern dass sie genau darin ihr Glück finden werden!

Mein Vater, wie treu hast du an mir gehandelt!
Ich erlebe es: Das Leben, das von dir kommt, macht keine Angst.
Im Gegenteil: Es nimmt die Angst, die man um sich selbst haben kann!
Mit dir darf ich auferstehen in das Leben in der herrlichen Freiheit deiner Kinder!
Ich habe es erlebt und erlebe es heute wieder.
Und auch sie sollen es erleben!
Ich werde ihnen darum immer wieder in „ihrem" Galiläa, in ihrem Alltag, begegnen: Als der Lebende und der Lebendige!