Berichte

Meditativer Gottesdienst
Sonntag, 22. Dezember 2013
am 4.Adventssonntag in St.Hedwig

Eröffnung

GL 220,1+5 („Die Nacht ist vorgedrungen“)

Einführung

„Der sich den Erdkreis baute, der läßt den Sünder nicht“, hieß es im Lied. Gott läßt den Sünder nicht fallen. Er läßt auch mich nicht fallen. Er hat für jeden eine Hoffnung. Er verbindet auch mit mir eine Sehnsucht.

Lesung (aus Jes 7,10..12)

Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja: Der Herr sprach zu Ahas, dem König von Juda: Erbitte dir vom Herrn, deinem Gott, ein Zeichen: Sei es von unten, aus der Unterwelt, oder von oben, aus der Höhe. Ahas antwortete: Ich will den Herrn um nichts bitten. Ich habe nicht das Verlangen nach einem Zeichen.

Meditation

„Ich habe nicht das Verlangen nach einem Zeichen von dir!“, hieß es in der Lesung. Tiefe Enttäuschung, gescheiterte Hoffnung, unerfüllte Träume! Ich erwarte nichts mehr von dir. Ich brauche nichts mehr von dir. Ich will dich nicht mehr um ein Zeichen bitten. Ich will deine Zeichen nicht mehr. Ich will auch deinen Adventskranz nicht mehr.

- Die Kerzen am Adventskranz werden gelöscht -

König Ahab will kein Zeichen. Er hat keine Erwartungen mehr. Er kennt keine Sehnsucht mehr. Geht es denn nur König Ahab so? Spüre denn ich für mein Leben eine Sehnsucht? Erlebe denn ich mit zunehmendem Alter noch Erwartungen an das Leben? Welche Zeichen lassen mich hoffen? Wäre ich denn offen für sie: Ich bin doch viel zu viel in Routine verhaftet! Tag für Tag, selbst Sonntag für Sonntag, immer das gleiche! Die Zeichen werden blasser, so wie eben auch das Leben verblaßt.

Da ist aber als ein erstes Zeichen das „Violett“ des Advents. Advent für Advent, immer dieselbe Farbe. Ich sehe das Violett, erkenne darin aber nicht mehr das „Purpur“, nämlich die wertvollste Farbe der Antike, selbst von Königen kaum zu bezahlen. Ich habe keine Augen mehr für die Kostbarkeit dieser Farbe, die allein eines Herrschers für würdig gehalten wurde. Ich sehe im Violett (im Purpur) nicht mehr die Wertschätzung meines Gottes, in einen Raum, der voll von dieser Farbe ist, eintreten zu dürfen. Ich erkenne nicht mehr daß er auch genau mich mit dieser (seiner) Farbe schmücken will. Oder erkenne ich es doch, und spüre die Sehnsucht meines Gottes nach mir? Möchte ich heute also doch um ein Zeichen (um dieses Zeichen) bitten?

- ruhiges Orgelstück und Kehrvers GL 155 („Kyrie eleison“) -

Ich will den Herrn um nichts bitten, hieß es von König Ahas. Will er (ich) kein Zeichen, weil ihm (mir) Gottes Zeichen zu schwach sind? Weil sie mir nicht genügen oder zu wenig Sehnsucht ausstrahlen? Weil sie so alltäglich und nicht des Nachdenkens wert sind?...

Ich erlebe ein anderes Zeichen, das „Aufstehen“ beim Gottesdienst. Ich erlebe es als etwas, was man eben so tut. Aber erlebe ich es noch als ein Verlassen von Bequemlichkeit? Als ein Aufstehen aus Zurücklehnen und Seßhaftigkeit? Als ein Bekenntnis, zu dem, was ich jetzt höre oder bete, „stehen“ zu wollen? Als Wertschätzung, vor meinem Gott nicht nur demütig knien zu müssen, sondern aufrecht „stehen“ zu dürfen? Als Sehnsucht, über meinen engen Horizont hinaus schauen zu dürfen und von meinem Gott dabei mitgenommen zu werden? Oder erlebe ich das schlichte Zeichen des Aufstehens doch so, und spüre dabei die Freude meines Gottes, mich auf „Augenhöhe“ zu erheben? Möchte ich heute also doch um ein Zeichen (um dieses Zeichen) bitten?

- ruhiges Orgelstück und Kehrvers GL 155 („Kyrie eleison“) -

König Ahas will kein Zeichen. Er hat kein Verlangen danach. Er hat keine Erwartungen an Gott. Er verbindet mit seinem Gott keine Sehnsucht mehr: Vielleicht weil er auf die falschen Zeichen gesetzt hat. Vielleicht weil bei ihm die richtigen Zeichen untergegangen sind. Vielleicht weil er aufgehört hatte, Zeichen ernst zu nehmen.

Die Hoffnung stirbt zuletzt, sagt ein Wort. Aber stirbt sie bei uns nicht oft zuerst? Halten wir denn die Spannung aus, daß noch nicht alles vollendet ist? Daß Gott meine Sehnsucht noch nicht erfüllt hat? Daß ich noch in einer Zeit der Erwartung zu leben habe? Daß sich also sein Zeichen, das „Kreuzzeichen“, doch noch auf meine Stirn einbrennt? Daß ich also das „Friedenslicht“ auf dem Altar ohne Resignation sehen darf? Daß er sich mir in der „Hostie“ „in meine Hand gibt“? Habe ich die Sehnsucht nach solchen Zeichen? Möchte ich heute also doch um ein Zeichen bitten?

- ruhiges Orgelstück und Kehrvers GL 155 („Kyrie eleison“) -

Tagesgebet

Ewiger Gott. Du liebst uns, und doch bist du uns fremd. Offenbare dich uns! Gib uns dein Zeichen! Laß uns dich erkennen, dich verstehen, dich lieben und mit dir auf dem Weg sein, heute und bis in alle Ewigkeit! (Amen.)

Evangelium (aus Mt 1,18..24)

Laßt uns nun aufstehen und unsere Sehnsucht größeren Raum geben – und bewußt aufrecht vor IHM stehen, unserem Herrn! Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus. Maria war mit Josef verlobt. Noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte sich, daß sie ein Kind erwartete. Josef, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloß, sich in aller Stille von ihr zu trennen. Während er noch darüber nachdachte, erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen! Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus (Immanuel / Gott mit uns) geben. Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm gesagt hatte, und nahm seine Frau zu sich. Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.

Predigt

Glaubensgebet (GL 8,2)

Als Bekenntnis unseres Glaubens, sprechen wir nun ein Glaubensgebet. Schauen wir dabei auf die Zeichen des Adventskranzes: Seine Ringform: Das Zeichen des Bundes. Seine grünen Zweige: Das Zeichen der Hoffnung. Seine violetten Bänder: Das Zeichen auch meiner Königswürde. Seine Kerzen: Das Zeichen für das Licht, das wir ersehnen. Sprechen wir nun gemeinsam: …

- dabei Wiederanzünden der Adventskranzkerzen -

Gabenbereitung: GL 557,1-36 (Verse aus der Litanei von der Gegenwart Gottes)

Danksagung (aus Jes 7,13..14)

Hören wir nun, bevor wir aus diesem Gottesdienst nach Hause gehen, welches Zeichen Gott nicht nur König Ahas gibt! Lesung aus dem Buch Jesaja: Der Prophet Jesaja sagte zu Ahas, dem König von Juda: Du willst den Herrn um nichts bitten und ihn nicht auf die Probe stellen? Hört her, ihr vom Haus David! Darum wird der Herr von sich aus ein Zeichen geben! Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, sie wird einen Sohn gebären, und sie wird ihm den Namen Immanuel, „Gott mit uns“, geben.

Lied: GL 222.1.7.8 („Herr, send herab uns deinen Sohn“)