Berichte

Neujahrsgottesdienst
Mittwoch, 01. Januar 2014
Gemeinsamer Gottesdienst für St.Raphael am 1.1.2014 um 17.00 Uhr in St.Thomas

Kantorin/Instrumental/Orgel/Projektchor

„Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein. Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück, nach Liebe..."

Einführung

Mit „Gnade und Friede" begrüße ich Sie alle ganz herzlich, die Sie aus ganz St.Raphael für diesen Gottesdienst zusammengekommen sind! Mit „Gnade und Friede" begrüße ich Sie zu Beginn eines jeden Gottesdienstes: Was für ein Geschenk, das Gott uns da immer wieder gibt! Jedes Mal aber freue ich mich ganz besonders, das zu Beginn eines neuen Jahres zu dürfen, uns (und allen Menschen) im Namen Gottes „Gnade" und „Friede" zusprechen zu dürfen! Wir alle wünschen Ihnen und Ihren Familien und unserem ganzen Pastoralen Raum ein von Gott gesegnetes neues Jahr 2014!

„Da wohnt ein Sehnen tief in uns": Dieser Vers wird sich wie ein roter Faden durch diesen Gottesdienst durchziehen. Er greift wohl nicht nur mein Empfinden auf: Gerade am Anfang eines neuen Jahres spüre wenigstens ich mehr als sonst Sehnsucht nach Glück und Liebe, nach Frieden und Beistand, nach Heilung und Ganzsein: Wie wird es dieses Jahr werden? Was werde ich erleben?..

„Alles was ihr (in diesem Jahr) in Worten und Werken tut, geschehe im Namen Jesu! Hört darum nicht auf, Gott in eurem Herzen Psalmen, Hymnen, Lieder zu singen!", hören wir heute in der Lesung. Welche Lebensmelodie werde ich also dieses Jahr aufnehmen? Welche Lieder wird meine Seele wohl singen: Fröhliche? Klagende? Altgewohnte? Neue? Überraschende?

„Wenn eben nur die Sehnsucht nicht erlischt nach dir, o Gott, dich zu sehen und dir nah zu sein!" Und darum erbarme dich, nimm von uns, was unsere Sehnsucht erlöschen läßt und führe uns auch in diesem Jahr deinen Weg zum Leben. (Amen.)

Tagesgebet

Ewiger Gott. Wieder stehen wir am Anfang eines neuen Jahres. Die Melodie deines Herzens hat in Jesus Christus Gestalt angenommen. Er ist das wahre Licht, das alle Zeiten erleuchtet. Wir bitten dich um deinen Segen für dieses vor uns liegende Jahr! Laß auch uns immer mehr zu einem Segen werden! Darum bitten wir dich durch Christus, unseren Messias und Herrn. (Amen.)

Lesung (aus Kol 3,15-17)

In eurem Herzen herrsche der Friede Christi; dazu seid ihr berufen als Glieder des einen Leibes. Seid dankbar! Das Wort Christi wohne mit seinem ganzen Reichtum bei euch. Belehrt und ermahnt einander in aller Weisheit! Singt Gott in eurem Herzen Psalmen, Hymnen und Lieder, wie sie der Geist eingibt, denn ihr seid in Gottes Gnade. Alles, was ihr in Worten und Werken tut, geschehe im Namen Jesu, des Herrn. Durch ihn dankt Gott, dem Vater!

Evangelium (aus Joh 1,1..14)

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden, und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfaßt. Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.

Predigt

„Da wohnt ein Sehnen tief in uns!" Vielleicht nach guter (oder neuer) Gesundheit; nach einem sicheren Arbeitsplatz; nach einer Versöhnung mit jemand, der mir wichtig ist.
Aber sind solche Wünsche eigentlich schon „Sehnsucht"? Zielt „Sehnsucht" nicht nach viel Grundlegenderem? Sehnsucht nach einem erfüllten Leben; nach einer gerechten Welt; nach einer glaubwürdigen Kirche. Sehnsucht nach einem tragenden Sinn in allem? Wie tief ein solches Sehnen in mir ist, spüre ich selber jedes Jahr vor allem am Neujahrstag.Da liegt das ganze Jahr eben noch wie ein unbekanntes Buch vor: Welche „Lebensmelodie" werde ich dieses Jahr aufnehmen, fragte ich mich heute. Welche Lieder wird meine Seele singen? Nach welchen Harmonien sehne ich mich? Vielleicht geht es Ihnen ebenso. Natürlich kann man überlegen, warum ein solches Sehnen am Neujahrstag so kräftig ist, oder genauer: Warum ich es im Laufe des Jahres nicht mehr so stark spüre. Warum es mich also nicht jeden Tag so deutlich wie heute im Sinn ist, obwohl doch jeder Tag ohne ein solches Sehnen ein ganzes Stück auch ein „vertaner" ist. Die Antwort ist einfach und hat Hermann Hesse so formuliert: „In jedem Anfang wohnt ein Zauber inne!" Heute am Neujahrstag ist eben alles anders. Ein neues Jahr, ein neuer Anfang, die Kalenderblätter noch weitgehend leer. Ein Tag zum Innehalten, zum Aufräumen, zum sich neu Einstellen, nicht nur auf eine neue Jahreszahl. Ja, der Neujahrstag hat für mich einen gewissen „Charme" und „Zauber"! Wichtiger als ein solcher „Zauber" ist mir aber am Neujahrstag das, was die Dichterin Hilde Domin so schrieb: „Die Sehnsucht ist der Anfang von allem!" Ohne Sehnsucht ist kein Anfang!
Ohne Sehnsucht geschieht auch nichts wirklich Neues! Ohne Sehnsucht verbleibt alles beim „Weiter so!", beim Alltag, beim Üblichen, beim Gewohnten, auch beim Langweiligen und Ermüdendem, Jahr für Jahr. Nur wo Sehnsucht ist, ist ein Anfang denkbar. Denn die Sehnsucht ist die innere Antriebskraft; sie ist die Spannkraft und Triebfeder; sie ist der Drang und das Motivieren; sie ist die ältere Schwester der Hoffnung; sie ist das eigentliche „Schöpfungsprinzip". Das ist schon immer so gewesen.
Auch wenn wir eben im Evangelium gehört haben, daß „im Anfang das Wort" gewesen ist, und daß ohne das Wort „nichts wurde, was geworden ist", dann steckt darin kein Widerspruch! Denn das das zugrundeliegende griechische Wort „logos" meint mehr als das „gesprochene Wort", nämlich auch „Geist" und „Sinn" und „Willensantrieb", das Prinzip also, aus dem alles angeregt, motiviert und geschaffen wurde. Das sehnsüchtig erwartete Wort ist der Anfang von allem! Schon Gott wurde also (wenn ich das einmal so sagen darf) von „Sehnsucht" getrieben: Von Sehnsucht zur Schöpfung; von Sehnsucht nach dem Menschen; von der Sehnsucht, daß seine Liebe ein „Gegenüber" findet; und damit eine Antwort! Auch in der profanen Weltgeschichte ist das so gewesen: Alle großen Entdeckungen entstanden aus „Sehnsucht", besonders deutlich bei den Entdeckungsreisen. Daß diese Sehnsucht leicht zu Zerstörung dessen führt, was man ersehnt hat (wie wir das bei den Entdeckungsreisen war), ist die häßliche Wahrheit, wenn Sehnsucht in Besessenheit umschlägt, also ohne Liebe ist. Dennoch: „Die Sehnsucht ist der Anfang von allem!" Aber es stimmt eben auch: Wir tun uns nicht einfach damit unsere Sehnsucht als Sehnsucht zu leben! Schon in der Kindheit kennen wir weniger ein Sehnen als ein Wünschen; was etwas ganz anderes ist, weil es auf „haben" und nicht auf „sein" abzielt. Auch die Jugendzeit kennt kein kaum Sehnsucht, sondern eher Begeisterung; aber auch das ist etwas anders, weil sie flüchtig und unstet ist. Auch die „Besten Jahre" kennen weniger Sehnen als (vielleicht noch, wenn wir es uns eingestehen wollen) „von etwas träumen"; aber auch das ist etwas anderes, denn das Träumen ist passiv und kennt wenig inneren Antrieb und Drang. Und im Alter? Dann bräuchten wir kein Sehnen mehr, sagen wir dann so schnell; das sei zu spät, die Zeit dafür sei vorbei! Ist die Sehnsucht also tatsächlich der Anfang von allem? Aber der Vers dieses Gottesdienstes ist doch wahr: „Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein. Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück, nach Liebe, wie nur du sie gibst!" Das ist doch nicht nur so daher gesagt, weil es sich so gut anhört und singen läßt! Das ist der Kern unseres Glaubens: Die Sehnsucht von Gott geliebt zu werden! Warum sonst feiern wir Sonntag für Sonntag Gottesdienst, wenn nicht, um uns diese Sehnsucht gegenseitig zu bezeugen und miteinander zu bestärken! Lassen wir also diese Sehnsucht bewußt in uns zu, nicht nur heute am ersten Tag des neuen Jahres: Die Sehnsucht, von Gott geliebt zu werden und diese Liebe zu erwidern, ist der Anfang von allem! Das macht den Sinn unserer Existenz aus, und wenn wir uns an ihm festhalten, werden wir uns niemals erschrocken fragen müssen, ob wir überhaupt gelebt hätten! Wenn wir sagen, daß die Jahre nur so dahinfliegen, dann sagen wir damit auch, daß sich unsere Sehnsucht im Alltag nur schwer in Erinnerung bringen kann. So ist es gut, daß uns jeder Neujahrstag die Kraft hat, uns (zumindest mir) diese Wahrheit gleich zu Beginn eines Jahres sehr bewußt macht! Es wird uns bereichern, wenn wir sie Tag für Tag bewußt spüren, gleich welchen Alters wir sind.
Und es wird allen, mit denen wir leben, gut tun, wenn wir sie unsere Sehnsucht spüren lassen! Ich möchte schließen mit einigen Zeilen des Gedichtes von Hermann Hesse: „Wie jede Blüte welkt und ihre Jugend / dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe, / blüht jede Weisheit auch und jene Tugend / zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern. / Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, / der uns beschützt und der uns hilft, zu leben!" Amen.

Fürbitten

Jesus Christus, Du hast das Licht Gottes in die Welt gebracht In dir finden wir Erlösung und Heil. Voll Vertrauen bitten wir dich:
1) Die Sehnsucht ist der Anfang von allem! Stärke unser Vertrauen zu dir; laß unsere Zuversicht nicht zweifeln, daß dein Reich kommt und sich durchsetzen wird; vollende das, was wir in deinem Namen tun! (Kehrvers „Da wohnt ein Sehnen tief in uns..")
2) Da ist ein Sehnen tief in uns! Laß uns die Hoffnungen und Erwartungen, die Flüchtlinge und Asylsuchende antreibt, zu uns zu kommen, sehen und verstehen, ernst nehmen und nicht enttäuschen! (Kehrvers „Da wohnt ein Sehnen tief in uns..")
3) Deine Sehnsucht ist unser Antrieb! Laß uns dein Feuer und deinen Erlösungswillen auch im Alltag spüren; gib uns Mut und Demut, aus deinem Schöpfergeist zu handeln! (Kehrvers LB 51)
4) Der 1.Januar ist in der Kirche der große Gebetstag für den Weltfrieden. Erfülle allen Menschen ihre tiefe Sehnsucht nach Gerechtigkeit und Versöhnung! (Kehrvers „Da wohnt ein Sehnen tief in uns..")
Herr, Jesus Christus, mit deiner Menschwerdung hast du Himmel und Erde versöhnt. Dein Licht leuchtet uns, und führt uns in dein Reich der Liebe und des Friedens. Dir gilt unser Dank, heute und in Ewigkeit. (Amen.)

Danksagung

„Singt in eurem Herzen Psalmen, Hymnen und Lieder": Das haben wir gehört; das haben wir getan. Singen befreit. Singen verbindet. Singen reicht weiter als das gesprochene Wort. Singen heißt: Sich in ein größeres Ganzes einfügen, mit anderen einstimmen. Unser Singen im Gottesdienst hat ein Gegenüber. Wir antworten im Gesang dem, der uns Stimme und Wort geschenkt hat. Paul Gerhardt drückt es in einem alten Choral so aus: „Das, was mich singen macht, ist, was im Himmel ist!" Wir antworten im Gesang dem, der uns auch dieses Jahr begleiten wird und singen: „Daß du, Gott, das Sehnen, den Durst stillst, bitten wir. Wir hoffen auf dich, sei da, sei uns nahe, Gott!"

Lied

„Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein. Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück, nach Liebe, wie nur du sie gibst" (Gemeinde singt den Kehrvers, die Liedstrophen der Chor)