Berichte

Patronatsfest
Sonntag, 02. Oktober 2011

In den Mittelpunkt der Feier unseres Patronatsfestes haben wir in diesem Jahr unsere beiden Kindertagesstätten sowie unsere Katholische Grundschule gestellt. Am Abend feierten wir in unserer Kirche St.Antonius einen Festgottesdienst. Dazu wurde nach einem Entwurf von Frau Linder von Kindern unserer Kindertagesstätten und der Schule aus unterschiedlichen Materialien dieses „Triptychon" gestaltet:

Tryptichon.jpg

Auf den beiden Außenflügeln sehen wir unsere beiden Kindergärten St. Thomas (links) und St. Hedwig (rechts) und in der Mitte die St.-Antonius-Schule. Weiterhin sehen wir auf dem Bild - natürlich - Kinder, ohne die keine dieser Einrichtungen einen Sinn machen würde. Wir sehen aber auch Erwachsene: Erwachsene, die die Kinder in Empfang nehmen und sich in den Einrichtungen um sie kümmern: Erzieherinnen, Lehrerinnen und andere Mitarbeiter, vielleicht den Hausmeister, die Küchenkraft. Wir sehen aber auch Erwachsene, die die Kinder auf den Werg schicken, sie bis zur Institution begleiten, sich dann aber für einen Teil des Tages von ihnen verabschieden: Eltern, manchmal auch Großeltern, die sich darauf verlassen, daß die Kinder hier gut aufgehoben sind. Und wir sehen dann außerdem noch einige kleine Spiegel. Wenn wir also nach dem Gottesdienst näher herangehen, kommen wir durch sie mit in das Bild, ob wir nun eigene Kinder in diesen Einrichtungen haben oder nicht, ob wir mit ihnen arbeiten oder nicht. Und über allen breitet schützend der Heilige Raphael seine Arme aus.

 

Wofür wir leben wollen, wenn die Kind dich morgen fragt - unter diesem Leitwort steht unserer diesjähriges Patronatsfest. In dieser Gottesdienstfeier wurden diese Abschnitte aus der Heiligen Schrift gelesen und vom Chor folgendes Lied vorgetragen:

Tobit rief seinen Sohn Tobias und sagte: Mein Sohn, denk alle Tage an den Herrn, unseren Gott! Gib acht auf dich bei allem, was du tust. Preise Gott, den Herrn, zu jeder Zeit. Bitte ihn, daß dein Weg geradeaus führt. Denk an meine Lehren und lass sie dir nie aus dem Herzen reißen! Denn so haben es mich auch schon meine Väter gelehrt. (aus der 1.Lesung Tob 4,3..19)

Stückwerk ist unser ganzes Erkennen! Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, dachte wie ein Kind und urteilte wie ein Kind. Als ich ein Mann wurde, legte ich ab, was Kind an mir war. Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht. Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe. (aus der 2.Lesung 1 Kor 13,8-13)

In jener Zeit sprach Jesus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast. Ja, Vater, so hat es dir gefallen. (aus dem Evangelium Mt 11,25-27)

Buch du bist gelebt. / Sag, wie soll ich leben? / Niemand weiß, wie du mußt leben, / Bücher können das nicht geben, / Liebe gegen Liebespein, / Freundschaft gegen tausend Ängste, / Weite, wo zuvor nur Enge, / Mensch für Menschen, / Recht und Frieden, / Licht und Atem, / ganz viel Leben darfst du sein! (aus dem Chorlied)


In der Predigt hieß es dazu unter anderem:

„Sag, wie soll ich leben?" Eine häufige Frage. Aber nicht immer eine gute Frage! Denn wenn ich frage, wie ich leben soll, ist das keine selbstbewußte oder selbstbestimmte Frage! Natürlich werden zu Recht auch von außen Ansprüche an mein Leben gestellt. Aber die Frage wie ich leben soll ist dennoch immer auch eine unmündige Frage: Eine Frage nämlich, die Verantwortung abschiebt und Selbstverantwortung abschwächt. Eine Frage, bei der dann auch tatsächliche Selbsterkenntnis immer Stückwerk bleiben wird. Eine Frage vor allem auch, die eigene Träume und Visionen, eigene Sehnsüchte und Ideale hinten anstellt!

Besser hieße die Frage darum wohl: Sag, wie will ich leben? Aber wenn ich mich so frage, was könnte ich mir dann selbst antworten? Wie wollte ich leben, als ich Kind war? Welche Pläne hatte ich, als ich heranwuchs? Welche Sehnsucht erfüllte mich, als ich ein Jugendlicher war? Welche Träume hatte ich, als ich mein eigenes Leben aufbaute? Welche Visionen habe ich für mich auch noch im Alter? Die Spiegel des Triptychons befinden sich mitten auf dem Weg der Kinder und deuten damit genau diese Fragen an: Erkenne Dich selbst als du jung warst! Was ist seitdem aus mir geworden? Die Spiegel sind klein; sie könnten auch zerbrochen und zersplittert sein, denn vermutlich ist Vieles von dem, was ich mir für mein Leben erträumt habe, klein geblieben oder nicht eingetreten oder gar zerbrochen und zersplittert. Aber spiegelt sich noch etwas von dem Licht, das mich begeistert erfüllte? Was also kann ich in den Weg der nachfolgenden Generation „hineinspiegeln"?

Als gläubige Christen als die wir uns hier versammelt haben, muss da jetzt das „Wort Gottes" ins Spiel kommen. „Buch, du bist gelebt!", haben wir in dem Lied gehört. Ja, das Buch, das hier gemeint ist, ist gelebt, die Gute Nachricht ist kein toter Buchstabe! Sie ist auch von mir gelebt. Aber es ist ein Irrtum, dass dieses Buch durch mich allein gelebt werden könnte! Dieses Buch ist zum einem schon immer gelebt, seit Jahrhunderten hindurch weiterbezeugt von Generation zu Generation. Und es wird zum anderen stets in Gemeinde gelebt, also im Zusammenspiel mit Vielen! Anders geht es auch nicht, denn der Glaube kommt schließlich nicht aus meinem Denken und Überlegen, sondern immer allein vom Hören!

Hier kommt nun unser „Raphael" deutlich ins Spiel! Wir hätten auf unser Triptychon nämlich auch gut auch den jungen Tobias mit dazu malen können. Denn wir lesen in der biblischen Tradition seiner Geschichte, daß auch Tobias von seinen Eltern losgelassen und auf einen Weg gestellt wird, einen Weg, der ihn dann auch erwachsen machen wird. „Lass dir das Buch nie aus dem Herzen reißen", wird ihm deshalb von seinem Vater bei seinem Abschied mitgegeben. Und er wird es sich nicht aus dem Herzen reißen lassen! Und er wird so das Glück finden, und zwar nicht nur für sich allein, sondern für viele! Und Raphael (in diesem Buch ist das im Grunde genommen nur ein anderer Name für den „Höchsten"), war dabei sein Reise- und also Lebensbegleiter.

Der alte Tobit gibt seinem Sohn genau das mit, was auch ihn selber schon „seine Väter gelehrt haben". Wir hören daraus die Aufforderung zur überzeugten (aber eben stets auch überzeugenden) Glaubensweitergabe an die nachkommende Generation. Und darum wird sich in unserem Pastoralen Raum intensiv bemüht, angefangen von den Eltern, Großeltern und Paten, weiter eben über unsere Kindertagesstätten und unserer Schule bis hin zum Glaubenszeugnis im Altenpflegeheim. Glaubensweitergabe ist zugleich Lebensweitergabe! Wir müssen uns also immer wieder neu fragen, was wir unserer jeweils nachfolgenden Generation weitergeben, damit diese einen ebenso zufriedenstellenden Weg erleben können. In diesem Zusammenhang ließe sich Vieles nennen, ich möchte heute nur diese beiden Impulse geben: Der erste Impuls: Gegen den immer bestimmender werdenden Trend zu „Vereinzelung" und dem „Kreisen um sich selbst" dürfen wir den Wert von Gemeinschaft und dem „Leben mit anderen" setzen. Und darum legen wir beispielsweise Wert auf Besuchsdienste, auf unsere Freizeiten oder auf das Einbinden unserer ausländischen Christen. Und der zweite Impuls: Gegen den Trend zur Schnäppchenmentalität und dem „immer billiger" dürfen wir den Wert von Kostbarkeit und „etwas dafür geben" setzen. Und darum investieren wir beispielsweise so viel Kraft in Katechesen und außerschulischen Religionsunterricht.

Noch einmal schauen wir auf das Tryptychon; und wenn wir näher herantreten könnten, können wir uns in diesem Bild durch die Spiegel selbst sehen. Wir könnten dann traurig sein, weil in unserem Leben von unseren Träumen so Vieles (wie die Spiegel) klein geblieben oder gar zerbrochen ist! Wir könnten aber ebenso (und noch viel mehr!) dankbar sein, daß uns dennoch immer Stücke geblieben sind! Wir könnten zuversichtlich sein, weil wir erfahren, weil alle achtsam und behutsam sind, um die kleinen Splitter nicht auch noch weiter zu zertreten. Und wir könnten vor allem hoffnungsfroh sein, weil wir glauben, daß Gott all unser „Stückwerk" wieder zusammenfügen wird! Wenn wir morgen gefragt werden, wofür wir leben wollen, dann können wir also mit unserem Gemeindepatron antworten: Wie Tobias habe auch ich mich auf Deine Reisebegleitung eingelassen! Wie Tobias bin auch ich nicht bei mir allein stehen geblieben, sondern auch ich suchte ihn (ermutigt durch Deine Wegbegleitung) nach meinen Möglichkeiten für und mit anderen zu gehen! Und wie Tobias fragte auch ich nicht, ob sich die Mühen einmal lohnen würden und ob mir das alles zu viel Leben kosten würde. Seine Erfahrung ist auch meine Erfahrung: Der Schatz, den ich mit Dir fand, ist kostbarer als Geiz und Geld. Das alles lasse ich mir nicht aus dem Herzen reißen und gebe es als meinen Schatz an die nachkommende Generation weiter - wenn auch in zerbrechlichen und oft genug auch zerbrochenen Gefäßen!