Berichte

Gesprächsabend zu den Missbrauchsskandalen
Dienstag, 16. März 2010

Der Pfarrgemeinderat hat in seiner Sitzung am vergangenen Dienstag die aktuelle Missbrauchsdiskussion in katholischen Einrichtungen aufgegriffen und möchte Ihnen die beiden nachfolgenden Stellungnahmen schnellstmöglich zur Kenntnis geben.

Stellungnahme von Bischof Franz-Josef Bode

An die Katholiken im Bistum Osnabrück, liebe Schwestern und Brüder!
Ich bin bestürzt und sprachlos, voller Scham und Trauer über die schmerzlichen Vorgänge und Vertrauensbrüche in unserer Kirche, die bundesweit aus den letzten Jahren und Jahrzehnten ans Licht kommen. Als Bischof von Osnabrück bitte ich ausdrücklich jene Menschen um Vergebung; die in unserem Bistum durch Priester und andere kirchliche Mitarbeiter Opfer sexueller Gewalt geworden sind.
Wenige Tage vor seiner Wahl zum Papst formulierte Kardinal Joseph Ratzinger für den Karfreitags-Kreuzweg: „Wie viel Schutz gibt es in der Kirche und gerade auch unter denen, die IHM (Christus) im Priestertum ganz zugehören sollten? Auf Deinem Acker (Herr) sehen wir mehr Unkraut als Weizen. Das verschmutze Gewand und Gesicht Deiner Kirche erschüttert uns". Wie viel mehr heute, fünf Jahre später!
Scham und Trauer wollen nicht enden. Nichts darf beschönigt werden. Das Ringen um Wahrheit und Gerechtigkeit für Opfer und Täter darf nicht aufhören. Auch nicht das Ringen um Barmherzigkeit, wie wir es im Evangelium vom „Barmherzigen Vater" erfahren. Als Kirche stehen wir in einem großen Läuterungsprozess, gerade in dieser Bußzeit; und das im „Jahr der Priester". Wir brauchen diese Läuterung, und wir wollen uns ihr aktiv stellen. Allerdings wünschen und erwarten wir auch, dass differenziert mit diesem schwierigen Thema umgegangen wird. Ein Generalverdacht gegen unsere Priester, Ordensleute und Mitarbeiter, auch die manchmal ungute Vermischung von Fakten, Daten und Vermutungen tragen nicht zur wirklichen Aufklärung bei. Vorschnelle Urteile führen nicht weiter und werden auch dem vielfältigen Leid der Opfer nicht gerecht. Ich bin auch sehr besorgt, dass sich ein Raureif an Kälte über unsere Seelsorge mit Kindern und Jugendlichen legen könnte, der ihnen und uns die Freude an unserem Dienst nimmt.
Wie schon mehrfach gesagt: jeder Missbrauchsfall ist zuviel, und das Ringen um Wahrheit und Gerechtigkeit muß verstärkt werden, damit diese Krise ein Läuterungsprozess werde für unsere Kirche, aber auch für unsere ganze Gesellschaft. Herzlich danke ich allen, die weiterhin - gerade in dieser Krise - zum Glauben und zur Kirche in Treue stehen. Ich bitte Sie alle um Ihr Gebet, dass wir alle in eine geläuterte und gereinigte Zukunft hineingehen. Der Schlussruf des Vaterunsers „Erlöse uns von dem Bösen" komme uns dabei aus tiefster Seele.

Dr. Franz-Josef Bode, Bischof von Osnabrück

Osnabrück am 16.März 2010

Stellungnahme des Katholikenrates des Bistums Osnabrück

Die in den vergangenen Wochen öffentlich gewordenen Fälle sexuellen Missbrauchs in kirchlichen Schulen und Einrichtungen haben eine schwere Vertrauenskrise ausgelöst.

Zunächst und in erster Linie gelten unser Mitgefühl und unsere Solidarität den Missbrauchsopfern, auch wenn viele Fälle mehrere Jahrzehnte zurückliegen. Mitarbeiter der Kirche haben Minderjährige auf schlimmste Art und Weise in ihrer Würde und Integrität verletzt. Das Leid, das die Opfer erdulden mußten, wirkt oft ein Leben lang nach und belastet die Menschen schwer. Deshalb gilt es, das Gespräch mit den Opfern zu suchen, sie bei der ehrlichen Aufklärung und Aufarbeitung zu unterstützen und sich mit allem, was die Kirche an therapeutischen und seelsorgerlichen Mitteln (z.B. Beratungsstellen) zu bieten hat, für die Opfer einzusetzen.

Wir begrüßen, dass die Bischofskonferenz mit dem Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann einen Sonderbeauftragten für Fälle sexuellen Missbrauchs ernannt und eine Arbeitsstelle eingerichtet hat, die diese Arbeit unterstützt. In einer Presseerklärung vom 9.März hat die Bischofskonferenz darüber hinaus deutlich gemacht, dass eine kirchliche Untersuchung dem staatlichen Verfahren nicht vorgeordnet ist und der Ausgang eines solchen etwaigen kirchlichen Vorgehens weder Einfluss auf das staatliche Verfahren noch auf die kirchliche Unterstützung der staatlichen Strafverfolgungsbehörden hat. Diese Klarstellung betont nachdrücklich, dass die Kirche in diesen Fragen keinen besonderen Rechtsraum beansprucht. Auf allen Ebenen muss intensiv daran gearbeitet werden, verloren gegangenes Vertrauen wiederzugewinnen. Deshalb muss sich die Kirche aktiv um Aufklärung bemühen, auch dann, wenn die Fälle sexuellen Missbrauchs bereits längere Zeit zurückliegen.

Auch in Zukunft muss ein positiver pädagogischer Umgang mit Kindern und Jugendlichen in kirchlichen Einrichtungen, in der Jugendarbeit, in Schulen und Kindertagesstätten gepflegt werden können. Kinder und Jugendliche brauchen verständnisvolle pädagogische Begleiter. Sie brauchen Frauen und Männer, die als Erzieher und Seelsorger unverkrampft mit ihnen umgehen mögen und sie in ihrer körperlichen und seelischen Entwicklung fördern.

Vollversammlung des Katholikenrates

Lingen-Holthausen am 13.März 2010


Alle Interessierten, die über die Problematik weiter sprechen möchten, lädt der Pfarrgemeinderat zu einem Gesprächsabend am Freitag, 26.März 2010 um 19.00 Uhr in das Pfarrzentrum St.Thomas (Grenzwehr 61) ein!