Berichte

Wegegottesdienst in St.Godehard
Freitag, 12. Oktober 2007

Einen Kirchenraum erlebt und erfährt man durch die Feier des Gottesdienstes. Er ist eben kein Museum, keine Wohnung und keine einfache Versammlungshalle. Das wird besonders schön an einer der ältesten katholischen Kirchen Bremens deutlich. Dem Vorbereitungskreis ist es wichtig, den Raum in seiner Fülle und in seiner geschichtlichen Entwicklung darzustellen. Der Beginn bei Kerzenlicht im Blick auf die neoromanische Architektur, der lateinische Gesang, die unterschiedlichen Patrozinien vom Hl.Joseph zum Hl.Godehard sollen dabei helfen. Ebenso der Gesang des Chores, das Läuten der Glocken und die Orgel.

Der Blick in die Geschichte ist spannend: Am 13.Juli 1900 hat Dechant Brahm aus Verden diese Kirche gesegnet. Ihre kirchliche Weihe zur Pfarrkirche St.Joseph durch Bischof Adolf Bertram von Hildesheim fand erst sieben Jahre später statt, am 4.August 1907, also vor genau 100 Jahren. Der Bischof konnte damals wohl kaum ahnen, dass dort einmal Menschen leben würden, die er Jahre später als Fürsterzbischof und Kardinal in Breslau firmen würde und die hier nach Flucht und Vertreibung eine neue Heimat gefunden hatten. Auch nicht, dass der aufstrebende Industrievorort Hemelingen einmal Teil der Stadt Bremen werden und dann am 20.Februar 1970 zur Diözese Osnabrück wechseln würde. Und schon gar nicht, dass dadurch sogar der Kirchenpatron wechseln mußte, was kirchenrechtlich gar nicht so einfach ist, denn es gab im Osnabrücker Teil Bremens schon eine Kirche St.Joseph, die gerade erst gebaut worden war. Unsere Kirche trägt deshalb seit 1973 den Namen Godehard, der der vierzehnte Bischof von Hildesheim war.

Eine Missionsstation am Rande Bremens, damit fing alles an. Von Hemelingen aus war man zuständig für sie seelsorgliche Betreuung der Landkreise Achim, Bremervörde, Osterholz-Scharmbeck und Zeven. Der erste Pastor trug den Titel „Missionar". Am 13.April 1863 traf Franz Bertram hier ein und feiert die erste Hl.Messe am 3.Mai  in einem Tabakschuppen. Am nächsten Tag nahm er den Schulbetrieb auf. Am 25.November wird vom Amt Achim ein katholischer Friedhof am Brüggeweg genehmigt. Das Friedhofskreuz steht heute am Rande des Kirchplatzes. Noch im selben Jahr 1863 baut der Schachtmeister Reke eine Kapelle - auf eigenes Risiko, wie es in der Chronik heißt. Seitdem versammeln sich hier also Menschen, um miteinander einen katholischen Gottesdienst zu feiern. Aber erst 1899 beginnt man mit dem Bau der heutigen Kirche.

In den fast 150 Jahren hat sich die Gemeinde immer wieder erneuert, hat durch die Industrialisierung und den Niedergang der Industrie hier vor Ort, durch das Dritte Reich und die Enteignung der Schule, durch den Wiederaufbau und durch Neuzugezogene immer wieder ein neues Gesicht bekommen. Mittelpunkt ist aber immer die Kirche, die lebendig bleibt durch Menschen, die diesen Ort prägen.

Die Godehardkirche ist kein Haus, in dem wir bleiben und wohnen. Sie ist ein Ort, wo wir uns zum Gottesdienst versammeln oder zum stillen Gebet innehalten. Danach gehen wir wieder unsere alltäglichen Wege. Dadurch werden wir aufmerksam, dass wir stets aufbrechen und weitergehen müssen und unser Leben als Pilgerschaft begreifen sollen. Wir sind unterwegs zum himmlischen Jerusalem, dessen Abbild die Kirche ist.